Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 30.08.2019


Kunst

Der Meister und sein Gitschele im Oetzer Turmmuseum

Auf den Spuren von Albin Egger-Lienz im Ötztal: Das Oetzer Turmmuseum hat ihm ein Zimmer eingerichtet, entlang dem Längenfelder Fischbach gibt es einen Egger-Weg.

1907 hat Albin Egger-Lienz in Längenfeld urlaubend seinen „Weihbrunn sprengenden Bauer“ gemalt.

© tiroler landesmuseum1907 hat Albin Egger-Lienz in Längenfeld urlaubend seinen „Weihbrunn sprengenden Bauer“ gemalt.



Von Edith Schlocker

Oetz, Längenfeld – Albin Egger-Lienz verbrachte zwischen 1906 und 1922 mit seiner Familie mehrere Sommer in Längenfeld. Und das nicht nur der großartigen Landschaft und guten Luft wegen, sondern auch deshalb, weil er im Ötztal die idealen „Models“ für seine bedeutungsschweren Zustandsbilder fand. Rasch hingeworfene Skizzen dieser markanten bäuerlichen Menschen fanden schließlich in archaischer Stilisierung Eingang in die Gemälde des Künstlers, die heute in vielen der wichtigen Museen der Welt hängen.

Sehr viele davon im Lienzer Schloss Bruck, zahlreiche auch im Tiroler Landesmuseum. Das das 1907 von Albin Egger-Lienz in Längenfeld gemalte Gemälde „Weihbrunn sprengender Bauer“ dem Turmmuseum Oetz als kunsthistorisches Highlight des hier neuerdings eingerichteten Egger-Zimmers als temporäre Leihgabe zur Verfügung gestellt hat. Eingebettet in berührende persönliche Erinnerungsstücke an den Künstler sowie seine jüngste Tochter Ila (1912–2003), sein geliebtes „Gitschele“.

Sie kommt in einem Video selbst zu Wort, genauso wie Nachkommen seiner Modelle. In einer Vitrine steht ein kleiner, aus Lärchenrinde geschnitzter „Berggeist“, den Egger für die kleine Ila geschnitzt hat, sowie eine mit kunstvollen winzigen Glücksbringern gefüllte Schmuckschatulle. An der Wand hängt ein „Gemeinschaftswerk“ der Elfjährigen und ihres Vaters, in Schubladen liegen Postkarten und Briefe, die Egger-Lienz aus Längenfeld in alle Welt geschickt hat. Neben Ilas Schreibmaschine, auf der sie u. a. die erste Biographie ihres Vaters geschrieben hat und die sie als Teil ihres Nachlasses Hans Jäger, dem Gründer des Oetzer Turmmuseums, vermacht hat.

Das nach dem Tod Jägers 2012 bis ins vergangene Jahr vom Turmmuseum-Verein geführt worden ist, um nun neben dem Ötztaler Heimat- und Freilichtmuseum und dem Gedächtnisspeicher Ötztal Teil der Ötztaler Museen GmbH zu sein. Getragen von den Gemeinden Sautens, Oetz,­ Umhausen, Längenfeld und Sölden sowie dem Land Tirol. Die Geschäftsführung liegt in den Händen der Kulturwissenschafterin Edith Hessenberger, die glaubt, dass sich die drei Orte gerade in ihrer Gegensätzlichkeit perfekt ergänzen.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Das Turmmuseum als stimmungsvoller Ort der Auseinandersetzung mit dem Selbst- bzw. Fremdbild des Ötztals im Spiegel der Kunst, während es im Längenfelder Heimat- und Freilichtmuseum um eine niederschwellige Auseinandersetzung mit dem alltäglichen Leben und dessen Wandel geht. Während der ebenfalls in Längenfeld stehende Gedächtnisspeicher nicht nur ein umfangreiches Archiv bzw. eine Bibliothek umfasst, sondern auch zum charismatischen Veranstaltungsort taugt.

Wer leibhaftig auf den Spuren von Albin Egger-Lienz wandeln will, tut dies idealerweise auf dem neu angelegten Themenweg entlang dem Längenfelder Fischbach. Der beim Gasthof Rose startet, in dem der Künstler bevorzugt abgestiegen ist. Sechs Stationen gliedern diesen Weg, in denen der Wanderer anhand von Fotos und Texten Interessantes über das Leben und Werk Eggers sowie seine Bedeutung für das Tal erfährt.

Der einzigartige Charme des Turmmuseums, der unmittelbar mit seinem Gründer und Einrichter Hans Jäger zu tun hat, soll laut Hessenberger unbedingt erhalten bleiben, seine der Zeit geschuldete Veränderung eine sanfte sein. Um das Haus lebendig zu erhalten und vielleicht mehr als die zwei- bis dreitausend Besucher jährlich ins Haus zu locken, wird es auch in Zukunft Sonderausstellungen geben. Die aktuelle ist dem Ötztaler Fotografen Josef Öfner gewidmet, dessen in den 1970er-Jahren entstandenen Schwarzweiß-Aufnahmen unaufgeregt aufregende Menschenbilder sind.

Am 13. September lädt außerdem das Tiroler Landesmuseum zu einer kleinen Egger-Lienz-Exkursion ins Ötztal ein. Abgeschlossen mit einem Erzählabend im Turmmuseum, bei dem Edith Hessenberger mit vier Nachfahren von Modellen Eggers sprechen wird. Anmeldung bis 2. September: anmeldung@tiroler-landesmuseen.at oder telefonisch 0512/59489-111.