Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 03.09.2019


Kunst

Mondsüchtiges und Salziges am Salzburger Mönchsberg

Nach dem Mondspaziergang am Salzburger Mönchsberg Tauchgang im Roten Meer.

„Spacewalk“, multimediale Installation von Yinka Shonibare, CBE aus dem Jahr 2002.

© bildrecht wien 2019„Spacewalk“, multimediale Installation von Yinka Shonibare, CBE aus dem Jahr 2002.



Von Edith Schlocker

Salzburg – Die erste Mondlandung vor 50 Jahren hat wie kaum ein anderes Ereignis die Menschheit bewegt. Auch die Künstler aller Genres, wie eine Ausstellung im Museum der Moderne am Salzburger Mönchsberg anhand von 280 Arbeiten unterschiedlichster Art eindrucksvoll vorführt. Der Bogen, der hier geschlagen wird, ist gewaltig. Beginnt mit dem Mythos, der ehemals dem Mond zugeschrieben wurde, in Zeiten, in denen dessen reales Betreten allein in den Gefilden der Fantasie möglich war.

Hebung eines von Sigalit Landau im Toten Meer versenkten Tutu.
Hebung eines von Sigalit Landau im Toten Meer versenkten Tutu.
- shaxaf haber

Als dem sich ständig wandelnden Erdtrabanten allein durch Teleskope einigermaßen nähergerückt werden konnte, was eine ganze Reihe von Künstlern zu mehr oder weniger poetischen Bildfindungen inspiriert hat. Die Romantiker des 19. Jahrhunderts genauso wie die Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner und Edvard Munch oder Surrealisten wie Max Ernst und René Magritte, dessen nächtliches Bild „Le Seize Septembre“ allein durch eine schmale Mondsichel magisch erhellt wird.

Ein weiteres Kapitel der Schau ist den menschlichen Grenzerfahrungen im Zusammenhang mit dem Mond gewidmet, der psychisch grenzgängerischen „Mondsucht“ genauso wie negativ besetzten Fabelwesen wie dem besonders in Vollmondnächten sein Unwesen treibenden Werwolf.

Der Großteil der Arbeiten hat allerdings unmittelbar mit der realen Eroberung des Mondes durch den Menschen zu tun. Robert Rauschenbergs „Stones Moon Serie“ von 1969 genauso wie Sylvie Fleurys mit viel Ironie besetzte Neoninstallation „High Heels on the Moon“ (2005), die wohl darauf verweisen soll, dass von den 550 Menschen, die bisher im All unterwegs waren, nur 60 Frauen waren. Und neben viel dokumentarischem Material darf in einer Schau wie dieser auch Kurioses, wie schräge Devotionalien im Zusammenhang mit dem Astronautenkult in West wie Ost, nicht fehlen.

Beruhigend auf die von der Flut an Objekten aufgeregten Augen wirkt die ebenfalls am Mönchsberg – erstmals im deutschsprachigen Raum – zelebrierte Personale der 50-jährigen israelischen Bildhauerin, Video- und Installationskünstlerin Sigalit Landau. Deren aus dem Toten Meer gefischte Arbeiten so ausschauen, als wären sie in kristalline Salzskulpturen verwandelte archäologische Fundstücke. Das kann eine Geige und ein Tutu genauso sein wie ein Postkartenständer, ein Fischernetz oder eine Wiege, die die Tochter aus Österreich stammender Juden im Meer versenkt hat, um sie diesem für eine Zeit zu überlassen. Bevor sie sie im musealen Kontext in vollendeter artifizieller Choreographie als in ihrer Zerbrechlichkeit berührende Metaphern für eine dem Untergang geweihte Welt zelebriert.




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