Letztes Update am Do, 05.09.2019 15:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kärnten

„For Forest“: Im Klagenfurter Stadion steht ab sofort ein echter Wald

Im Wörthersee-Stadion in Klagenfurt wurde am Donnerstagvormittag „For Forest“, Österreichs größte Kunstinstallation, erstmals der Presse vorgestellt. Dabei wurden fast 300 lebensgroße Bäume am Spielfeld des Stadions aufgestellt.

Bei dem Projekt wurden fast 300 bis zu 14 Meter hohe Bäume ins Stadion gestellt.

© APABei dem Projekt wurden fast 300 bis zu 14 Meter hohe Bäume ins Stadion gestellt.



Klagenfurt – Die Kunstinstallation „For Forest“ im Klagenfurter Wörthersee-Stadion ist am Donnerstag zum ersten Mal der Presse vorgestellt worden. Bei dem Projekt wurden fast 300 bis zu 14 Meter hohe Bäume ins Stadion gestellt, die einen europäischen Mischwald darstellen. Am Sonntag wird „For Forest“ eröffnet, der Stadion-Wald kann bis Ende Oktober bei freiem Eintritt besichtigt werden.

Künstler Max Peintner und Initiator Klaus Littmann während der Presseführung zur Kunstinstallation "For Forest".
Künstler Max Peintner und Initiator Klaus Littmann während der Presseführung zur Kunstinstallation "For Forest".
- APA

Die Pressekonferenz war ausgesprochen gut besucht, in ihrer Begrüßung verwies Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ) darauf, dass die Riege der Medienvertreter wohl zuletzt bei der Eröffnung der Elbpilharmonie in Hamburg so international war. Initiator Klaus Littmann erzählte von dem „langen, steinigen Weg“, der bis zur Umsetzung zu gehen war. Vor sechs Jahren hatte er erstmals Kontakt mit Mathiaschitz aufgenommen und ihr das Projekt präsentiert. Der Zufall hätte dabei eine große Rolle gespielt – denn auf der Suche nach einem passenden Stadion war er zuvor schon seit Jahren gewesen. „Aber wenn ein Stadion von einem internationalen Top-Fußballklub belegt wird, hat man als Kunstprojekt keine Chance“, so Littmann. Das sei auch der Grund, warum man im Wörthersee-Stadion gelandet war, in dem momentan der Zweitligist Austria Klagenfurt spielt.

Littmann streute dem Stadion Rosen: „Der Kontrast aus Stahl, Beton und Glas zum Wald – das kann man nicht besser haben.“ Er arbeite an dem Thema der Wahrnehmung: „Jeder entwickelt seine eigenen Sehgewohnheiten, Dinge werden selbstverständlich, und dann nehmen wir sie nicht mehr wahr.“ Mit „For Forest“ entstehe ein radikales Bild: „Ein Wald, den wir in einen völlig neuen Kontext stellen.“ Erfolgreich sei das Projekt, wenn ein Bild entsteht, das in den Köpfen der Menschen haften bleibt. Besucherzahlen würden für ihn keine primäre Rolle spielen.

Das Wörtherseestadion aus der Luft.
Das Wörtherseestadion aus der Luft.
- unimo

Zeichnung lieferte Vorbild für „For Forest“

„Der Zeitpunkt, zu dem wir das umsetzen, ist mir ein bisschen unheimlich“, gab Littmann zu: „Es kommt so was von punktgenau, wenn man miterlebt, was anlässlich der Klimadebatte in den Medien ist, und was Studien raten: Nämlich dass weltweit der Wald aufgeforstet wird.“ Trotzdem blieb der Initiator dabei: „Es ist ein Kunstprojekt.“ „Nein“, widersprach ihm Künstler Max Peintner, der mit seiner Zeichnung „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ das Vorbild für „For Forest“ geliefert hat: „Es ist ein politisches Projekt. Zu den zwei roten Knöpfen in den USA und in Russland ist nämlich ein dritter dazugekommen“, spielte Peintner auf die Gefahr des Klimawandels an.

Peintner erklärte daraufhin, welche Geschichte hinter seiner berühmten Zeichnung steckt, die Littmann inspiriert hatte. So sei „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ unter dem Eindruck des Waldsterbens entstanden: „Ich hatte ein Bild vor Augen, wo die letzten Reste des Waldes und der Natur wie im Zirkus ausgestellt sind.“ Die Form des Klagenfurter Stadions lasse aber noch eine andere Interpretationsmöglichkeit zu: „Man kann das Stadion auch als Schutzwall sehen, in dem dieses Stück Natur bewahrt wird.“

Den Besuchern der Installation empfiehlt Littmann, die Perspektiven zu wechseln und den Wald von verschiedenen Blickwinkeln aus zu betrachten: „Wenn es zum Beispiel regnet oder neblig ist, ergibt das ein ganz anderes Bild, genauso, wenn sich in den kommenden Wochen die Blätter verfärben werden.“

Kein Steuergeld in Umsetzung geflossen

Bei der Präsentation nahmen die Verantwortlichen auch zur Kritik Stellung, die in den vergangenen Monaten laut geworden war: „Gegner haben mit Unwahrheiten und zum Teil persönlichen Diffamierungen versucht, das Projekt schlechtzumachen und Fußball gegen Kunst auszuspielen“, sagte Bürgermeisterin Mathiaschitz, die erneut betonte, dass in die Umsetzung kein Steuergeld geflossen ist, auch die Wiederherstellung des Rasens sei finanziell abgesichert.

Der Hauptsponsor des Projekts, Herbert Waldner, kündigte an, dass die Bilanz des Projekts nach Abschluss von einem Wirtschaftstreuhänder geprüft und dem Rechnungshof zur Verfügung gestellt werde. Er appellierte auch, bei solchen Projekten in Zukunft die „Aufteilung in rot, schwarz und blau zu vergessen und sie außer Streit zu stellen“: „Ich glaub dem Wald ist ziemlich egal, wer gerade an der Macht ist.“ (APA)

Präsentation von Kritik begleitet

Die Präsentation des Kunstprojektes „For Forest“ im Klagenfurter Wörthersee-Stadion ist am Donnerstag von Kritik begleitet worden. Die FPÖ lud zu einer Pressekonferenz in der Nähe eines „echten“ Waldes, das Team Kärnten forderte lückenlose Transparenz, was die Finanzierung angeht. Und einmal mehr gingen in den Sozialen Netzwerken die Wogen rund um den Stadion-Wald hoch.

Kritiker haben sich schon seit Monaten auf die Installation im Stadion eingeschossen – dazu gab es gleich mehrere Anlässe. So wurden immer wieder Befürchtungen laut, dass – anders als von der Stadtpolitik beteuert - Steuergeld für „For Forest“ aufgewendet wird. Dann wurde bekannt, dass die speziell verschulten Bäume für das Projekt aus Belgien, Norddeutschland und Bologna nach Klagenfurt gebracht würden, obwohl man zuerst auf Kärntner Bäume zurückgreifen wollte. Und schließlich sorgte ausgerechnet eine sportliche Jubelmeldung für Misstöne: Denn der Kärntner Bundesligist WAC, der sich Ende der vorigen Saison überraschend für die Europa League qualifiziert hatte, hätte seine Spiele gerne im Wörthersee-Stadion ausgetragen. Daraus wird aber nun wegen „For Forest“ nichts, die Spiele finden in Graz statt.

Mit diesen Kritikpunkten gestaltete auch die Kärntner FPÖ ihre Pressekonferenz. „For Forest“ sei ein „Mahnmal für eine weltfremde Politik ohne Hausverstand“, sagte Landesparteiobmann Gernot Darmann, der parlamentarische Initiativen im Kärntner Landtag ankündigte. Er beklagte entgangene Mieteinnahmen, weil in der Zeit keine Veranstaltungen stattfinden könnten und befürchtete, dass die Besucherzahlen durch Schulexkursionen „künstlich in die Höhe getrieben“ werden: „Mein Sohn, der in die Volksschule geht, wird dieses Projekt im Stadion nicht anschauen“, sagte Darmann. Er werde ihn entschuldigen und mit ihm stattdessen in die „echte Natur“ gehen. Der Klagenfurter Stadtparteichef Wolfgang Germ nannte das Projekt mit Verweis auf die langen Transportwege der Bäume eine „CO2-Schleuder“: „Man sollte anders für den Klimaschutz sensibilisieren als mit einem künstlichen Wald.“ Das Projekt „ist in Wahrheit ein Flop“.

Gerhard Köfer vom Team Kärnten sagte laut einer Aussendung, die Freiheit der Kunst müsse „jederzeit gesichert und außer Streit gestellt“ werden. Er sehe „For Forest“ kritisch, aber: „Trotz der Notwendigkeit von Kritik ist die Art und Weise, wie sich eine andere Landtagspartei im Zusammenhang mit For Forest versucht in Szene zu setzen, absolut unwürdig und Hetze in Reinkultur“, meinte Köfer mit einem Seitenhieb auf die FPÖ. In Sachen Finanzierung forderte er „lückenlose Transparenz“: „Es kann nicht sein, dass unter Anwendung der Salami-Taktik regelmäßig neue Zahlen und Daten rund um direkte oder indirekte Subventionen durch das Land an das Tageslicht kommen.“ Es sei „frech“, wenn aus verschiedenen Referaten die Begleitmaßnahmen von „For Forest“ mitfinanziert werden, aber gleichzeitig erklärt werde, dass kein Steuergeld für „For Forest“ verwendet wird.

Wie schon in den Wochen zuvor schlug am Donnerstag den Verantwortlichen des Projekts auf Facebook heftige Ablehnung entgegen - auch wenn sich am Tag der Präsentation mehr positive Stimmen als sonst in die Diskussion mischten. Die Kritiker warfen den Projektinitiatoren – trotz all ihrer Beteuerungen – Steuergeldverschwendung vor, andere verwiesen darauf, dass sie in einen natürlichen Wald gehen würden, wenn sie Bäume sehen wollen. Und richtig tief scheint der Zorn bei so manchem Fußballfan zu sitzen.