Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 25.09.2019


Kunst

Fotografin Melanie Manchot: Nächtliches Ballett der Ratracks

Melanie Manchots sehr poetischer Blick von außen auf das Alpine, musikalisch interpretiert von Christof Dienz.

„Snowdance“ von acht Pistenraupen in der Choreographie der in London lebenden deutschen Fotografin Melanie Manchot.

© Manchot„Snowdance“ von acht Pistenraupen in der Choreographie der in London lebenden deutschen Fotografin Melanie Manchot.



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Überfüllte Pisten, Schneekanonen, Ballermann, alles Maßstäbliche sprengende Bettenburgen, aber auch Lawinenkatastrophen: Das alles gibt es in den „Mountainworks“ der in London lebenden Fotografin Melanie Manchot nicht. Und das, obwohl sie zum größten Teil im hinteren Montafon, einem wintertouristischen Hotspot, entstanden sind. Als Bild gewordener Ausdruck einer offensichtlich zeitlosen romantischen Sehnsucht nach dem Archaischen, das die Städter seit dem Aufkommen des Tourismus im 19. Jahrhundert im Hochgebirgigen suchen.

Überliefert in Bildern, in denen das Individuum winzig angesichts der Mächtigkeit der Natur ist. Menschen spielen in Melanie Manchots Fotografien ebenfalls nur eine untergeordnete Rolle. Allerdings nicht wie ehemals als dekorative Staffage, sondern als Mittel zum Zweck. Etwa, um die Knöpfe zu drücken, die die Bergbahnen in Gang setzen, oder um die Pistenraupen zu steuern.

Wer diese lenkt, ist letztlich nebensächlich. Geht es der Fotokünstlerin doch um pure Poesie, die bisweilen ins Skurrile kippt. Wenn sie etwa in einem Video acht Ratracks nach einer exakten Choreographie Ballett „tanzen“ lässt. In einem anderen führt ein Mann ein schwarzes Pferd auf einer unberührten Schneefläche im Kreis, um in dieser ihre aus der Vogelperspektive gesehenen Spuren zu hinterlassen.

Aber selbst der auf die Seite geschobene, sozusagen zum Abfallprodukt gewordene Schnee wird durch den sehr speziellen fotografischen Ansatz Manchots zu etwas fast Skulpturalem. Wunderschön ist ihr Blick auf ein offensichtlich noch schlafendes, ganz in Weiß verdämmerndes Dorf. Das Einzige, was sich bewegt, sind die winzigen Lichter eines Schneeräumgeräts. Ein anderes Video, in dem zwei Tourengeher den Fuß einer massiven Felswand queren, bevor sie eine Lawine sprengen, um die unsichtbare Piste weiter unten zu sichern, kommt im Gegensatz dazu fast spannend daher.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Der Soundtrack zum „Snowdance“ der Pistenraupen stammt vom Tiroler Grenzgänger zwischen klassischer und zeitgenössischer Musik, Christof Dienz. Der sich von Stefanie Manchots Fotografien zu einer Reihe von „Musiken“ hat inspirieren lassen, die er gemeinsam mit einem kleinen Ensemble am 3. und 4. Oktober im Saal der BTV aufführen wird. In Dialog mit der Künstlerin treten bereits am 2. Oktober der Experte für die Kulturgeschichte der Berge, Konrad Kuhn, und der Filmwissenschafter Christian Quendler, musikalisch kommentiert von Siggi und Juliane Haider.




Kommentieren


Schlagworte