Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 01.10.2019


Tirol

In Holz geschnittene High Heels: Ausstellung in Innsbruck

18 Spielarten des zeitgenössischen koreanischen Holzschnitts in der Galerie Nothburga.

Die koreanische Holzschneiderin Yeoreum Joh hat diese spannenden Psychogramme in Holz geschnitten. Die natürliche Maserung des Holzes wird zu dem eine abstrakte Ebene einziehenden "Malgrund".

© SchlockerDie koreanische Holzschneiderin Yeoreum Joh hat diese spannenden Psychogramme in Holz geschnitten. Die natürliche Maserung des Holzes wird zu dem eine abstrakte Ebene einziehenden "Malgrund".



Innsbruck – Manfred Egger ist einer der ganz wenigen Tiroler Künstler, die sich voll und ganz der Technik des Holzschneidens verschrieben haben. Und da deren (Groß-)Meister in Ostasien sitzen, hat er sich mehrfach dort umgesehen, viel gelernt und Kontakte geknüpft. Die der von Anna Maria Achatz kuratierten aktuellen Ausstellung in der Innsbrucker Galerie Nothburga zugutekommen, wo 18 HolzschneiderInnen aus Korea vorführen, was diese uralte Technik alles sein kann. Nämlich sehr, sehr Unterschiedliches.

Angefangen mit ganz fein strukturierten Arbeiten, die inhaltlich wie formal ganz in der ostasiatischen Tradition des Holzschneidens verwurzelt sind, bis zu solchen, die die alte Technik sehr frei und heutig weiterentwickelt haben. Um etwa hyperrealistisch in Holz geschnittene Versatzstücke der Welt von heute wie High Heels oder Einkaufswägen mit bemalten Papieren zu collagieren oder Landschaftliches in kraftvoll durchpulster Expressivität in strengem Schwarzweiß zu zelebrieren.

Dass in Holz geschnittene Porträts durchaus spannende Psychogramme sein können, führt eine andere der insgesamt rund 10.000 HolzschneiderInnen vor, die es heute in Korea gibt. Wieder anderen gelingt es, die generell durch ihre flächigen Qualitäten auftrumpfenden Arbeiten in dieser Technik fast wie feinpinselig gemalt daherkommen zu lassen, während sich wieder andere durch die einzigartigen Möglichkeiten des Holzschneidens zu raffinierten Spielchen mit abstrakten Formen inspirieren lassen. Um etwa Landschaftliches zur von Farben dominierten abstrakten, vielfältig assoziativ vernetzten Struktur zu reduzieren, was man mögen kann, aber nicht unbedingt muss. (schlo)