Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.10.2019


Innsbruck

“Mountainworks“: Der stimmige Sound zum Bild

Christof Dienz’ Komposition zur Ausstellung „Mountainworks“ im BTV Stadtforum.

Live-Musik zur aktuellen Ausstellung im BTV-Stadtforum in Innsbruck am Donnerstagabend.

© Wolfgang LacknerLive-Musik zur aktuellen Ausstellung im BTV-Stadtforum in Innsbruck am Donnerstagabend.



Innsbruck – Dem kleinstädtischen Feierabendgewusel entwischt, taucht der Besucher des BTV Stadtforums am Donnerstag nach Büroschluss in eine Welt der ruhigen Tön­e ein. Eine Uraufführung ist angesetzt: der Soundtrack zur seit Anfang Oktober laufenden Ausstellung „Mountainworks“. Die in London lebend­e Fotokünstlerin Melanie Manchot hat mit hochauflösenden Fotos und in Videosequenzen das winterliche (Schnee-)Treiben im Montafon, einem Massen­magneten des Skisports in Vorarlberg, abgebildet. Ein sehr persönliches Porträt ist dabei entstanden, in dem selbst riesig­e Seilbahnhallen mit kahlen Sichtbetonwänden so etwas wie Charme versprühen.

Dies könnte man, muss man aber nicht wissen, wenn man dem dazugehörigen Auftragswerk von Komponist Christof Dienz das Ohr (oder besser: deren beide) leiht. Dienz hat für die – auf einer Großleinwand mitlaufenden – Filmaufnahmen Manchots eine perfekt sitzende Klanghülle geschneidert.

Klavier (Mathilde Hoursian­gou), Violine (Ivana Pristasova), Kontrabass (Alexandra Dienz) und Klarinette (Walter Seebacher) werden aufgeboten. Dienz, bei seiner Standard-Formation Knoedel an Fagott und Zither selbst musizierend, bleibt als Sound­supervisor im Hintergrund.

Das Quartett auf der Bühn­e löst sich solistisch ab. Fein ziselierte Tonkonstrukte, immer wiederkehrend, begleiten Aufnahmen eines Dorfes, das im Schnee versinkt. Hochspannung nach Noten bahnt sich ihren Weg aus den Instrumenten, als zwei Männer im Hochgebirge durch den Schnee stapfen. Was haben sie vor? Dann, mit lautem Knall, lösen die beiden eine Lawinensprengung aus.

Da zuckt mancher im Saal überrascht zusammen. Was durchaus stimmig ist, handelt es sich doch hier um ein abendliches Stündchen voll von Entdeckungen. (mark)