Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 09.10.2019


Kunstprojekt

“Ehrenmal“ in Innsbruck: Blutig rote Frage nach Ehre, Freiheit und Vaterland

Der Künstler FLATZ hat das von Lois Welzenbacher 1926 entworfene „Ehrenmal“ vor der Innsbrucker Universität spektakulär verwandelt.

null

© Flatz



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Die deutschnationalen Burschenschafter, die alljährlich vor dem mit einem riesigen Adler geschmückten – denkmalgeschützten – „Ehrenmal“ vor der Innsbrucker Universität aufmarschieren, werden das in Zukunft wohl nicht mehr tun. Seit das am 3. Juli 1926 vom damaligen Prorektor Theodor Rittler mit den Worten „Deutschland, Dein Reich komme!“ enthüllte, immerhin von Lois Welzenbacher entworfene Denkmal vom international renommierten Vorarlberger Künstler FLATZ verwandelt worden ist.

Indem er über jedes der in den Sockel eingravierten Worte „Ehre“, „Freiheit“ und „Vaterland“ in blutroter, die Schlagworte infiltrierender Farbe das Wort „welche“ gesprayt hat. Um durch seine unspektakulär spektakuläre Umformung des Denkmals die Frage zu stellen, wem hier Ehre gebührt. Den Gefallenen der Universität oder vielleicht einem Widerstandskämpfer wie Christoph Probst, dem, genauso wie eines ermordeten Befreiungstheologen, als Versuch einer Umdeutung des „Ehrenmals“ bereits seit einigen Jahren ebenfalls durch eine kleine Tafel hier gedacht wird. Bzw. die Frage gestellt wird, welches Vaterland bzw. wessen Freiheit da wohl gemeint ist. Zu Füßen des unverändert gebliebenen Adlers hat FLATZ außerdem eine riesige, aus Metall gemachte, weiß emaillierte Rose gelegt. Das Symbol für die Jungfräulichkeit Marias mutiert hier allerdings zum Symbol für so positive Werte wie Liebe und Glück oder auch das Geheime.

Diese brisante künstlerische Intervention in ein präfaschistisches Denkmal ist Teil des selbstkritischen Blicks, mit dem die Universität angesichts ihres heurigen 350. Geburtstags auch die braunen Flecken ihrer Vergangenheit nicht ausklammert. Der 67-jährige FLATZ, der 1992 etwa seine deutsche Dogge namens Hitler durch das Kasseler documenta-Gelände geführt und vor einigen Jahren mit einer blutigen Performance im Innsbrucker Kunstraum die Gemüter erregt hat, ist mit seinem Projekt als Sieger aus einem von der Universität in Auftrag gegebenen – geladenen – Künstlerwettbewerb hervorgegangen.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.