Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.10.2019


Kunst

Oswald Kollreider: Das Vermächtnis eines Wanderers durch die Welt

Große Retrospektive über das Lebenswerk des Osttiroler Malers und Grafikers Oswald Kollreider im Alten Widum von Achenkirch.

„Finca“, 1970 von Oswald Kollreider anlässlich einer ausgedehnten Malreise nach Mallorca in Tempera gemalt.

© Kollreider„Finca“, 1970 von Oswald Kollreider anlässlich einer ausgedehnten Malreise nach Mallorca in Tempera gemalt.



Von Edith Schlocker

Achenkirch – Dass der vor zwei Jahren im Alter von 95 Jahren verstorbene Osttiroler Maler und Grafiker Oswald Kollreider ein fast Vergessener ist, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass er einerseits lebenslang jeden Kontakt mit Galerien vermieden hat und andererseits sein halbes Leben lang in aller Welt unterwegs war. Umso erfreulicher ist die Initiative seiner Nachlassverwalter, in den schönen Räumen des alten Achenkircher Widums eine Retrospektive über das ebenso künstlerisch wie formal und technisch heterogene Lebenswerk des Pauser- und Boecklschülers auszurichten.

Die führt – thematisch gegliedert – vor, was Oswald Kollreider alles war bzw. nicht war. Er war sicher keiner, der die Kunst revolutionieren wollte, um seine authentische Handschrift lieber in der Tradition des klassisch Expressiven zu suchen. Um sich im Laufe seines langen Lebens immer wieder zu wandeln, nicht zuletzt unter dem Einfluss ausgedehnter Reisen, die den aus dem Kartitscher 23-Häuser-Weiler St. Oswald stammenden Künstler u.a. nach Afrika, Indien, in die Türkei und nach Südamerika geführt haben.

Immer dabei hatte Oswald Kollreider einen Skizzenblock samt Stiften bzw. Papier im 50x70-Zentimeter-Format und Temperafarben. Um unmittelbar vor Ort seine Eindrücke rasch niederzuschreiben bzw. spezielle Stimmungen und Atmosphären zu von Farben dominierten Bildern zu extrahieren. Die mit den Jahren leider immer braver, vordergründig erzählerischer wurden.

Kollreiders Hochzeit sind unzweifelhaft die 1960er-Jahre. Als es ihm gelang, das Gesehene weitgehend zu einer Wirklichkeit parallel zur Natur zu abstrahieren, aufzulösen in ein komplexes Gefüge farbiger Flecken, die in der Zusammenschau durchaus Reales assoziieren. Wobei das Atmosphärische fast wichtiger ist als das „nur“ Beschreibende, das Ganzheitliche einer Landschaft mit ihren spezifischen Gerüchen, Farben, Formen und Menschen.

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Der Mensch war neben der Landschaft das zentrale Thema Oswald Kollreiders. Egal, ob er als ganz junger Künstler als Grubenmaler im Ruhrgebiet die Kumpel in ausdrucksstarkem Schwarz-Weiß porträtierte, oder – viel später – afrikanische Massai bzw. ihm bekannte Männer und Frauen. Um malend tief in deren Seelen einzutauchen, was in seinem umfassenden Erkennen der Persönlichkeiten die Bildnisse meist nicht schön im eigentlichen Sinn ausfallen ließ.

Ein großes Thema war für Kollreider auch die religiöse Kunst. Um etwa im Entwerfen von Kreuzwegstationen seine expressive Bewegtheit voll ausleben zu können. Ausgereizt in raffinierten Perspektiven und Posen, deren radikale Dekonstruktion dem Betrachter fast körperlich weh tut.