Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.10.2019


Kunst

Knotenpunkt des Austauschs

Die Ausstellung „Design From The Alps“ spürt 100 Jahren Design im Alpenraum nach.

Die Innsbrucker Designerin Nina Mair ließ sich für ihre Badmöbel aus Nussholz von der Badekultur Japans inspirieren.

© Peter PhilippDie Innsbrucker Designerin Nina Mair ließ sich für ihre Badmöbel aus Nussholz von der Badekultur Japans inspirieren.



Meran – Die Euregio hat sich dem Design verschrieben, so scheint es zumindest in kultureller Hinsicht. Neben dem vor Kurzem erschienenen gemeinsamen Kulturbericht 2019 von Tirol und Südtirol, der dem Thema Design gewidmet war, verhandelt nun auch das Museum Kunst Meran über 100 Jahre Design in Tirol, Südtirol und dem Trentino. Über 100 Exponate machen Gestaltungsentwicklungen anhand von konkreten Entwürfen sichtbar.

Ein grenzüberschreitender Ansatz verbindet beide Initiativen: Nationale Grenzen ließen sich für das Design nicht ziehen, erklärt Kuratorin Ursula Schnitzer. Der Großraum Tirol, Südtirol, Trentino ist Knotenpunkt für den Austausch zwischen den Designmetropolen Wien und Mailand sowie München und Venedig.

Das Projekt „Design From The Alps, 1920–2020“ ist mit seiner umfangreichen Publikation eine äußerst ambitionierte Erkundung der Entwicklung modernen Designs in einem dynamischen Alpenraum. Eingeteilt in die Bereiche Wohnen, Freizeit und Industrial Design, listet Schnitzer in Zusammenarbeit mit Claudio Larcher und Massimo Martignoni – Tiroler Unterstützung kam von Kulturjournalistin Ivona Jelcic – Schlüsselfiguren aus 100 Jahren Design auf. Der Konsens: Durch eine erstaunliche Offenheit gegenüber den fortschrittlichsten Strömungen der Moderne entstand in der Region ein unerwartetes Labor für technisch-formale Erkundungen.

Von Tiroler Seite sticht in der Meraner Schau die Tiroler Moderne heraus: Clemens Holzmeister, Wilhelm Nicolaus Prachensky, Franz Baumann, Lois Welzenbacher, Wilhelm Stigler oder Siegfried Mazagg bilden mit ihren schweren Sitzmöbeln einen Kontrast zu den leichten Freischwingern der internationalen Avantgarde. Einen komplett eigenen Weg beschritt auch die zeitweise in Tirol ansässige Familie Sottsass, die ebenso Eingang in die Schau findet wie bewährtes Tiroler Industrial Design (Swarovski Optik, Kneissl, Stubai) oder eine Riege junger Designer, die klassische Materialien neu interpretieren (z. B. Nina Mair).

Grafik- und Modedesign wurden für diesen Anlass ausgeklammert, laut Schnitzer soll in dieser Richtung weiterhin geforscht werden, u. a. auch in Zusammenarbeit mit dem Innsbrucker „Wei Sraum“. Grenzüberschreitend soll’s also in Zukunft weitergehen. Für die Meraner Designschau war eine Übernahme in Tirol angedacht, lässt Kunst Meran wissen. Bisher fand sich dafür aber keine interessierte Tiroler Institution. (bunt)




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