Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 22.11.2019


Geburtstag

Rudi Wach: „Kunst, die nicht lebt, hat keinen Wert“

Bildhauer Rudi Wach wird heute 85 Jahre alt. Aus diesem Anlass wird heute die Kaiser-Max-Statue in der Hofburg enthüllt und eine Schau eröffnet.

Anlässlich des 85. Geburtstags von Rudi Wach ist ab heute im Haus der Musik eine Ausstellung mit dem Titel „Der Minotaurus ist immer und überall unter uns“ zu sehen.

© Michael KristenAnlässlich des 85. Geburtstags von Rudi Wach ist ab heute im Haus der Musik eine Ausstellung mit dem Titel „Der Minotaurus ist immer und überall unter uns“ zu sehen.



Von Gerlinde Tamerl

Innsbruck – Heute feiert der Tiroler Bildhauer und Zeichner Rudi Wach seinen 85. Geburtstag. Aus diesem Anlass werden gleich an zwei Orten Arbeiten des 1934 in Hall in Tirol geborenen Künstlers präsentiert. Das Haus der Musik zeigt eine von Günter Dankl kuratierte Schau mit dem Titel „Der Minotaurus ist immer und überall unter uns“, und in der Hofburg wird anlässlich der Eröffnung der Dauerausstellung über Kaiser Maximilian I. heute eine überlebensgroße Bronzestatue des Habsburgers enthüllt. Es handelt sich um eine Auftragsarbeit, die Wach in seiner Mailänder Gießerei nach einer Terracotta-Statue von Hans Reichle von 1604 fertigen ließ.

Die Ausstellung in der Hofburg, die das Leben von Kaiser Maximilian I. erzählt, zeigt auch neue Exponate, darunter zwei Figuren des unvollendet gebliebenen Kaiserdenkmals von Speyer, das Maximilian I. in Auftrag gab.

Die Kaiser-Maximilian-Statue am Donnerstag bei der Anlieferung vor der Hofburg.
Die Kaiser-Maximilian-Statue am Donnerstag bei der Anlieferung vor der Hofburg.
- Manfred Corrine

Den Geburtstagstrubel lässt Rudi Wach gelassen über sich ergehen, aber eigentlich arbeitet er viel lieber zurückgezogen in seinem Atelier, sei es in Pradl oder in Mailand. Der TT ist es aber geglückt, den Wahlmailänder zu einem Gespräch zu überreden, obwohl Zeit für Rudi Wach Mangelware ist. Kaum im Haus der Musik angekommen, holt er auch schon ein winziges Büchlein aus der Tasche, sucht darin eine Telefonnummer, um den Termin mit seinem Aktmodell zu verschieben. Dann gibt er Anweisungen, wo seine Skulpturen präsentiert werden sollen. Am besten mitten im Foyer, schlägt Wach vor und ergänzt: „Meine Figuren haben Leute gern“, gerade so, als wären sie lebendige Wesen.

Leitmotiv der Geburtstagsschau, die aktuelle und ältere Arbeiten versammelt, ist die mythologische Figur des Minotaurus – ein Mensch mit Stierkopf. Gleich im Eingangsbereich ist eine große Zeichnung zu sehen, in der die Protagonisten der Minotaurus-Sage vorgestellt werden. Wach erklärt sein künstlerisches Interesse für die griechische Mythologie damit, dass diese Sagen so universell seien, dass sie für alle Zeiten stimmen würden.

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Ein wiederkehrendes künstlerisches Motiv in Wachs Arbeit ist außerdem das Spannungsverhältnis zwischen Menschlichem und Tierischem, denn für ihn ist das Animalische, trotz der Errungenschaften der Zivilisation, tief in der menschlichen Seele verwurzelt.

Die Basis für Rudi Wachs bildhauerische Arbeit bildet die Zeichnung. Viele Stunden am Tag zeichnet Wach, der als 20-Jähriger in die Kunstakademie Brera in Mailand aufgenommen wurde. Um Provokation ging es ihm in seiner Kunst allerdings nie, und das, obwohl seine Arbeiten immer wieder Diskussionen auslösen. So schuf er etwa für die Innbrücke einen Christus ohne Lendenschurz. Auch die heute enthüllte Maximilian-Statue sorgte für Aufregung. Ein Tiroler Kunstgießer warf Wach etwa vor, es hätte für die Vergrößerung der Statue keinen Künstler gebraucht. Wach sieht seine künstlerische Leistung jedoch darin, dass er die kleine Figur in eine große Bronzestatue verwandelt hat und außerdem die Wachsfigur für den Guss herstellte. Andere Kritiker bemängelten außerdem, dass es sich bei der Max-Figur lediglich um eine Kopie handle, ohne künstlerischen Wert. Wach erklärt, er habe sich aus Zeitgründen bewusst gegen eine eigene künstlerische Interpretation entschieden.

Kritik wie diese scheint an Rudi Wach, dem keinerlei Altersmüdigkeit anhaftet, abzuprallen. Unbeirrt widmet er sich weiterhin seiner Kunst und sagt: „Ich hoffe, dass ich bis zum letzten Augenblick meines Daseins arbeiten darf.“ Er will, ganz im antiken Sinne, seiner Kunst Leben einhauchen, denn er habe schon früh erkannt: „Kunst, die nicht lebt, hat keinen Wert.“ Nur ungern „verlässt“ er deshalb seine Gipsskulpturen in seinen Ateliers, denn für ihn sind sie Lebewesen, die nicht allein gelassen werden wollen.


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