Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 03.12.2019


Kunst

Fast zu schön, um wahr zu sein

Malerische Delikatessen von Robert Bosisio in der Innsbrucker Galerie Maier.

Auf dem Kopf stehendes Mädchenbildnis von Robert Bosisio.

© SchlockerAuf dem Kopf stehendes Mädchenbildnis von Robert Bosisio.



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Die Bilder von Robert Bosisio sind wunderschön, fast zu schön. Würden nicht Momente der Irritation die perfekt in einem delikaten Kolorit zelebrierten Idyllen „stören“. Etwa, wenn der Südtiroler Maler, der bei Carl Unge­r und Adolf Frohner an der Wiener Angewandten studiert hat, ein von ihm porträtiertes Mädchen auf den Kopf stellt oder seine Gegenüber so nahe heranzoomt, dass das Gemalte zu einem spannenden Suchrätsel wird.

Spätestens jetzt wird dem Betrachter klar, dass es Bosisio weniger um das Abbilden der Wirklichkeit als vielmehr um pure Malerei geht. Warum der Künstler bei diesem konzentrierten Tun den konkreten Menschen oder auch Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrring“ als Anreger braucht, ist da die Frage. Es geht hier wohl um Atmosphärisches, um Spannungen, die sich für den Künstler offensichtlich nur im Dialogischen aufbauen.

Robert Bosisios Bilder sind malerische Delikatessen. Bestehend aus unzähligen Schichten, die miteinander interagieren, wodurch sich fragile, rund um ein toniges, mit Licht und Schatten spielendes Spektrum entwickelte Farbräume auftun. Bosisios Figuren sind meist schemenhaft, poetisch verdämmernd in einem diffusen Sfumato. Bisweilen kommen die in Öl auf Holz oder Leinwand gemalten Bilder aber auch wie abblätternde Fresken daher, um auf diese Weise einen sehr speziellen morbiden Charme zu verströmen.

Robert Bosisios Faible für das uneindeutig Vielschichtige zeigt sich auch in einer Reihe kleinformatiger Mischtechniken. Ihre Basis sind auf Kunststoffplatten gedruckt­e, vom Künstler übermalte, vertikal mit einer rilligen Struktur verunklärte Sujets seiner Bilder. Dass in Bosisio aber auch ein begabter Bild­hauer steckt, zeigt sein ebenfalls in der Schau zu sehender „Hockende­r“, bei dem man ganz genau hinschauen muss, um zu erkennen, dass er nicht aus Holz geschnitzt, sondern in Bronze gegossen ist.

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