Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 03.12.2019


Bezirk Schwaz

Schwazer Berufsschülerinnen lassen aus Müll Kunst entstehen

Vom Mülleimer auf die Fotoleinwand – Berufsschülerinnen entdecken ihre kunstvolle Seite und hauchen Unnützem neues Leben ein.

Auf dem Plakat an der Schulfassade ist Leonie Agerer zu sehen.

© KuxAuf dem Plakat an der Schulfassade ist Leonie Agerer zu sehen.



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Es ist noch ungewohnt für Leonie Agerer, ein so großes Transparent mit ihrem Gesicht darauf an der Fassade der Schwazer Berufsschule für Handel und Büro zu sehen. Aber zugleich auch ein gutes Gefühl, denn gemeinsam mit ihren Schulkolleginnen hat sie ein eindrucksvolles Kunstwerk geschaffen.

Es ist Müll, der vor den Schülerinnen liegt. Mitgebracht aus den Betrieben, in denen sie arbeiten, oder ihrem persönlichen Umfeld. Großteils Plastik und Verpackungsmaterial – Dinge, die eigentlich im Mülleimer landen. Doch nicht dieses Mal, denn die Schülerinnen schufen im Zuge eines Impulsprojektes wahre Kunstwerke. „Das war eine tolle Erfahrung, aus Altem etwas Neues zu machen und dann diese Dinge als Models zu präsentieren“, sagt Agerer.

Fotografin Katja Zanella Kux (Mitte) kreierte mit den Lehrlingen und Schülerinnen der Schwazer Berufsschule Vanesa Luncan, Carina Rieder, Leonie Agerer und Katharina Amrainer (v. l.) eindrucksvolle Bilder.
Fotografin Katja Zanella Kux (Mitte) kreierte mit den Lehrlingen und Schülerinnen der Schwazer Berufsschule Vanesa Luncan, Carina Rieder, Leonie Agerer und Katharina Amrainer (v. l.) eindrucksvolle Bilder.
- Fankhauser

Denn die Lehrlinge der Berufsschule haben nicht nur Kunstwerke aus Verpackungsmaterialien geschaffen, sondern diese auch noch vor der Kamera in Szene gesetzt. Unterstützung erhielten sie dabei von der Schwazer Meisterfotografin Katja Zanella Kux. Sie rückte die Lehrlinge und ihre Kunstwerke ins rechte Licht. „So ein Fotoshooting mal zu erleben, war richtig cool. Und es war beeindruckend, was man aus Müll alles machen kann – gerade in Zeiten wie diesen mit dem Klimawandel“, sagt Carina Rieder. Dem Lehrling als Einzelhandelskauffrau gefiel es auch, in die Welt der Fotografie einzutauchen und Neues zu lernen.

Unterstützt wurde das Projekt vom Kultur Kontakt Austria (KKA) und dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung. „Das ist kompetenzorientierter Unterricht, bei dem die Schüler viel mitnehmen können. So kann man jungen Menschen vermitteln, dass Kunst nichts Fernes ist“, sagt Roman Schanner vom KKA. Er war beeindruckt von den Kunstwerken und der Inszenierung durch die Lehrlinge. Auch Direktorin Renate Mitterer wisse, dass es schwierig sei, Jugendliche für Kunst zu interessieren. Ein Pluspunkt sei zudem, dass mit dem Projekt auch soziale Kompetenzen und die Wahrnehmung der Lehrlinge geschult wurden. Sie dankte auch den Bauhofmitarbeitern fürs Montieren des Fassadenbildes.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Auf eine ganz andere Art und Weise konnten sich die Lehrlinge in der Berufsschul­e mit ihrem Job auseinandersetzen, neue Blickwinkel kennen lernen und sich selbst verwirklichen. „Innerhalb nur eines Tages haben wir etwas echt Cooles geschaffen“, sagt Agerer. Rieder fügt hinzu: „Ich hätte nicht gedacht, dass man aus Müll etwas so Ästhetisches machen kann und dass dann so schöne Fotos entstehen.“




Kommentieren


Schlagworte