Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 09.04.2014


Kunst

Widerstand im Walzertakt

Spaniens Krise und ihr Widerhall in der Kunst: Während die Banken auf dem Vulkan tanzen, tanzen Wasserwerfer Walzer. Derzeit in der Neuen Galerie.

© xxxStill aus Fernando Sánchez Castillos „Pegasus Dance“, 2007.Foto: Neue Galerie



Von Ivona Jelcic

Innsbruck – Die Wirtschaft liegt am Boden, der Spardruck ist gewaltig, die horrende Arbeitslosig- schürt in gleichem Maße Perspektivenlosigkeit, Sozialkürzungen treiben die Menschen auf die Straße, die Delogierungen sowieso: Neben Griechenland gehört auch Spanien zu den europäischen Brennpunkten seit Ausbruch der Finanzkrise 2007.

Wenig verwunderlich, dass auch die Kunstszene auf die Krise reagiert, zumal zeitkritische künstlerische Äußerungen ja lange Tradition haben. Und der aktuelle Spardruck in Spanien auch schwer auf den Kulturinstitutionen lastet. Kuratorin Karin Jaschke hat fünf Positionen, die sich mit der Lage im Land auseinandersetzen, unter dem Titel „activaciones“ in der Neuen Galerie in der Hofburg versammelt. Wie schon der Titel verspricht, ist viel Aktionistisches dabei, etw­a vom Kollektiv FLO 6x8, das Flash-Mob-artig in Bank­foyers auftaucht und den Geldinstituten Zores gibt. Mit einem musikalischen Instrument, das traditionell sowohl für den Kampf gegen Unterdrückung als auch den Ausdruck von tief empfundenem Schmerz steht: dem Flamenco – mit Texten ausgestattet, die ganz konkret die Machenschaften der besuchten Banken anprangern.

Die frischen Spuren der Übermalung und damit auch die Abwesenheit der von Adrian Mélis in verschiedenen Städten fotografierten Graffit­i zeigen, dass hier etwas in Bewegung ist. „Untertitel“ zeigen aber auch, was ursprünglich auf den gesäuberten Hausmauer­n stand, etwa: „Franco is back. This time disguised as a banker“ (Franco ist zurück. Diesmal als Banker getarnt).

Zu Strauß’schen Walzerklängen drehen wiederum zwei Wasserwerfer im Video „Pegasus Dance“ von Fernand­o Sánchez Castillo ihre Runden, wodurch das eigentlich zur Auflösung von Demonstrationen eingesetzte schwere Gerät eine erstaunliche Wandlung ins Romantische macht: eine gelungene Satire über Wirkmacht und Manipulierbarkeit der Bilder.

Die künstlerischen Praktiken divergieren – mit verschwimmenden Grenzen zwischen Dokumentation, Protest, Mobilmachung und subversiver Intervention, wie sie etwa Núria Güell angesichts Tausender delogierter Menschen bei gleichzeitig unzähligen leer stehenden Wohnungen betreibt. Sie engagierte einen Bauarbeiter über eine eigens gegründete Kooperative dafür, eine Wohnungstüre aufzuschließen. Die steht nun als skulpturales Objekt neben der Video-Dokumentation der Aktion.