Letztes Update am Mi, 23.04.2014 13:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wiener Hofburg

Zehn Jahre Sisi-Museum: Blick in den Kleiderschrank der Kaiserin

Zum Jubiläum zeigt das Sisi-Museum in der Wiener Hofburg eine Sonderausstellung zur Garderobe von Kaiserin Elisabeth.

Auch das wohl bekannteste Sisi-Portät hängt im Museum in der Wiener Hofburg: "Kaiserin Elisabeth in Abendtoilette, 1865" von Franz Xaver Winterhalter.

© APA/HERBERT NEUBAUERAuch das wohl bekannteste Sisi-Portät hängt im Museum in der Wiener Hofburg: "Kaiserin Elisabeth in Abendtoilette, 1865" von Franz Xaver Winterhalter.



Wien – Ein Damenschirm, Schuhe und Fächer, Bilder oder die Feile, mit der Luigi Lucheni am 10. September 1898 in Genf die Kaiserin ermordete: Seit zehn Jahren widmet man sich in der Wiener Hofburg dem Leben und Sterben von Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn, kurz Sisi. Zum Jubiläum gibt das Museum nicht nur einen Blick in den kaiserlichen Kleiderschrank, sondern treibt auch seine Umbaupläne voran.

2004 wurde das Museum in der Hofburg eröffnet. „Man wollte damals den süßlichen Touch, der Sisi immer anhaftet, ein bisschen wegkriegen“, so Franz Sattlecker, Geschäftsführer der Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft, die das Museum betreibt, am Mittwoch in einer Pressekonferenz. Also konzentrierte man sich auf die Fakten und so viele Originalexponate wie möglich - inzwischen rund 280 von insgesamt 300 Ausstellungsstücken in sieben Schauräumen.

Sonderausstellung „Seide - Spitze - Hermelin“

„Zu Beginn hatten wir hauptsächlich Leihgaben“, schilderte die Kuratorin des Museums, Olivia Lichtscheidl. Durch den Ankauf von zwei Sammlungen sowie die Teilnahme bei Auktionen und den Handel mit Privatleuten könne man nun aber auf umfangreiche Bestände zurückgreifen, die auch den Wechsel zwischen Objekten erlauben. Nur die Feile ist immer noch in Staatsbesitz und der Totenschein nur ein Faksimile.

Das blaue Kleid von Kaiserin Elisabeth ist das Glanzstück aus ihrer Garderobe.
Das blaue Kleid von Kaiserin Elisabeth ist das Glanzstück aus ihrer Garderobe.
- APA/SCHLOSS SCHÖNBRUNN KULTUR- U

Immer wieder stoße man aber auch auf neue, spannende Stücke, etwa das blaue Tageskleid, das nun erstmals in der Sonderschau „Seide - Spitze - Hermelin“ zu sehen ist. Zusammen mit Accessoires wie Handschuhen, einem Schirm und Unterwäsche tauchte es in einer Garderobenschachtel auf und wurde 2012 versteigert. „Das blaue Kleid wurde von Sisi auf Korfu getragen, das zeigt uns auch der bekrönte Delfin, der im Nackenbereich eingestickt ist und als Etikett fungiert“, so Lichtscheidl. Die Details des Kleides sind streng nach der Mode der 1890er-Jahre gestaltet. „Damit können wir beweisen, dass Sisi nach dem Tod Rudolfs doch nicht nur Schwarz trug“, meinte die Kuratorin. Ein Gerücht, dass sich bis heute vielfach gehalten habe.

In zwei Räumen soll die Sonderausstellung bis 24. Dezember auch zeigen, wie man sich zur Zeit Kaiserin Elisabeths kleidete - von der Unterwäsche bis zum Handtäschchen. Deshalb sind unter anderem auch Gamaschen, Strümpfe oder ein geklöppelter Morgenmantel zu bewundern. „Das einzige, was noch nie aufgetaucht ist, ist ein Korsett - das wäre das I-Tüpfelchen“, meinte die Kuratorin.

Auf jeden Fall hat die jung verstorbene Kaiserin, die unter anderem für ihre exzentrischen Essgewohnheiten und ihren ungewöhnlichen Charakter bekannt ist, immer noch ihren Reiz: 6,2 Millionen Menschen haben sich das Sisi Museum - das in der Hofburg in Kombination mit den Kaiserappartements und der Silberkammer zu besuchen ist - seit 2004 angesehen. 645.000 waren es im Jahr 2013. Rund 80 Prozent der Besucher kommen aus Europa. „Bei den asiatischen Gästen haben wir im Vergleich zu Schönbrunn noch Lust nach oben“, meinte Sattlecker. Für ihn zieht das Sisi-Museum auch junges Publikum an: 29 Prozent der Schaulustigen sind zwischen 16 und 25 Jahre alt, 65 Prozent sind Frauen.

Um das Sisi-Erlebnis noch besser zu gestalten, baut man nun um 500.000 Euro auch an einem neuen Eingangsbereich in der Hofburg. Ende 2014 rechnet Sattlecker mit der Fertigstellung. „Eigentlich war das früher geplant, aber bei den Bauarbeiten sind wir auf die Vorgängerbauten der Hofburg gestoßen - da gräbt man direkt ins Mittelalter“, erklärte der Schönbrunn-Chef die Verzögerung. Kurz war eine Glasplatte angedacht, um auch die Besucher an den Ruinen teilhaben zu lassen. „Die wäre dann aber genau in den Toiletten gewesen, da haben wir es dann gelassen“, so Sattlecker. (APA)