Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 26.05.2014


Kunst

Magische Schutzschilde in Silber und Seide

Wunderschön sind die Trachten der alten Miao. Sie zeigt das Museum der Völker ebenso wie einen Film über diese chinesische Minderheit heute.

© gert chesiHochkarätige Relikte der fast untergegangenen Kultur der in Südchina lebenden Miao.Fotos: Chesi/Museum der Völker



Von Edith Schlocker

Schwaz – Das, was Gert Chesi vor rund 20 Jahren den im gebirgigen Südchina lebenden Miao abgekauft hat, gibt es vor Ort längst nicht mehr. Ist inzwischen in Sammlungen und völkerkundlichen Museen in aller Welt gelandet, mit dem Vorteil, dass die einzigartigen Textilien und Silberarbeiten nun auch im Schwazer Museum der Völker zu sehen sind. Mit der Kultur einer rund fünf Millionen Mitglieder zählenden Minderheit im chinesischen Riesenreich bekannt machend, die sich von der Mehrheit der Han grundlegend unterscheidet.

Um das deutlich zu machen, hat Gert Chesi einen prachtvoll bestickten kaiserlichen Prunkmantel der Han zwischen die Textilien der Miao gehängt. Die in jeder Weise so vollkommen anders sind, in ihrem Schnitt genauso wie in ihrer Weberei und Stickerei. In die die Miao ihren komplexen animistischen Kosmos einbringen, stilisiert zu Mustern, von denen jedes Detail seine ganz konkrete Bedeutung hat. Um etwa als Schutzschild für das Neugeborene zu fungieren, das die jungen Mütter kompliziert eingewickelt in Tragetüchern am Rücken tragen, die über und über mit das Böse abwehrenden Symbolen bestickt sind. Jedes ist anders, unterscheidet sich in seiner Farbigkeit, in seinen geometrischen oder floralen Mustern.

Fast modern muten die Röcke der Trachten an, die die Miao früher täglich, heute nur noch bei ganz besonderen Festen tragen. Ihre Röcke sind lang oder mini und fein plissiert. Die Oberteile dazu sind dagegen mit ganz speziellen Techniken raffiniert bestickt. Etwa mit Pferdeschwanzhaaren, mit Seide umsponnen, wodurch eine fast reliefartige Wirkung erzielt wird. Dazu wurde opulenter Silberschmuck getragen. Neben riesigen Kolliers sonderbar kronenartige Objekte, die sich bisweilen in veritablen, mit Federn geschmückten Hörnern auswachsen. Übersät mit kleinteiligen Details oft heraldischen oder kultischen Charakters.

Das pure Silber, aus dem diese Schmuckstücke früher getrieben wurden, wird heute allerdings durch billiges Blech ersetzt, genauso wie die heute geschneiderten Trachten nur noch grobe Abziehbilder der alten sind. Hergestellt in künstlich für die meist chinesischen Touristen aus dem Boden gestampften Kulissenstädten. Was für Chesi einerseits schade ist, andererseits das Problem der Landflucht bremst.

Ein von Chesi vergangenen Winter gedrehter Film zeigt diese „pervertierte Kultur“. Aber auch die ebenfalls vom Untergang bedrohte kleiner Nachbarvölker im Norden Thailands. Etwa jene der Padaung, die als „Longneck“ in die Ethnologie eingegangen sind. Tragen deren Frauen doch vielreihige Messingspiralen um den Hals, die die Schulterregion nach unten drücken, was den Hals unnatürlich lang erscheinen lässt. Und der Sage nach die Frauen vor dem Angriff von Tigern schützen soll.

Statt der vom Museum der Völker herausgegebenen Zeitschrift A4 wird es zukünftig jeden Monat im musealen Café einen Filmabend geben. Beim nächsten am 17. Juni, 20 Uhr, wird „Voodoo – Die Magier der Erde“ gezeigt, am 15. Juli „Buddhas unfolgsame Kinder“, beide gedreht von Gert Chesi.