Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 04.08.2014


Kunst

Ein Nomade mit der Kamera

Mario Gerths „Söhne und Töchter des Windes“ im Museum der Völker in Schwaz.

© Mario Gerth„Söhne und Töchter des Windes“: Fotografien von den letzten Nomaden Afrikas von Mario Gerth sind im Museum der Völker zu sehen.



Schwaz – Seinem bürgerlichen Beruf im Bankwesen geht der Deutsche Mario Gerth nur zeitweise nach, der Rest gehört ganz seiner eigentlichen Leidenschaft: dem Reisen und Fotografieren von Menschen und Landschaften. Dafür ist Gerth seit Jahren in den entlegensten Weltgegenden auf verschiedenen Kontinenten unterwegs, vor allem auch in Afrika, wo der Mitdreißiger zuletzt Hunderte Kilometer mit dem Fahrrad, zu Fuß, per Boot oder Jeep zurückgelegt hat. Um jene Bilder mitzubringen, die derzeit in der Studiogalerie des Schwazer Museums der Völker zu sehen sind.

Bei den „Söhnen und Töchtern des Windes“, so der Titel der Ausstellung in der Studiogalerie, hat Gerth oft mehrere Wochen verbracht und sie porträtiert: die Afara im Nordosten Äthiopiens, die von der Viehzucht lebenden Samburu in Kenia, die Somba im Benin und Togo, die Völker des Omo Tales und andere nomadische und halbnomadische Völker des Kontinents.

Deren Angehörige Gerth stets frontal und vor neutralem Hintergrund porträtiert, ergänzt durch kurze Texte über den jeweiligen Stammes- und Körperschmuck, traditionelle Riten der jeweiligen Völker oder Ort und die Umstände der Begegnung – etwa mit dem 12-jährigen Hirtenmädchen Karesa in Namibia oder einem Tuareg aus Niger.

Von seinem Afrika-Reisen bringt Gerth unter anderem auch dokumentarische Bilder vom Leben am Rand der modernen Gesellschaft mit, etwa von Straßenkindern in Addis Abeba oder den Müllsuchern in Nairobi.

Die Serie „Die letzten Nomaden Afrikas“ ist für ihn eine „Hommage an den Stolz einer jahrhundertealten Tradition“, zugleich aber auch Zeugnis der bedrohten nomadischen Kultur. Im Museum der Völker durch einige Exponate wie Stammesschmuck, einen Lippenteller oder traditionelle Waffen ergänzt. (jel)