Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.08.2014


Kunst

Norbert Brunner 1959–2014

Der Osttiroler Künstler ist überraschend in Wien verstorben.

© WidauerNorbert Brunner.



Innsbruck – Ein ganzes Orchester hat Norbert Brunner-Lienz in seiner letzten Ausstellung „Musik der Grausamkeit“ in der Galerie Widauer 2013 aufgeboten, um sein Verständnis von Kunst als Beziehungsgeflecht aus Bild, Klang und Sprache, semantischer Verschiebung, beharrlicher Selbstbespiegelung und nicht zuletzt auch als Soundexperiment auszubreiten. Die großformatigen Buntstiftzeichnungen skurril transformierter Instrumente nur als ein Teil einer komplexen Partitur begreifend, in der neben Zeichnung und Musik auch die Sprache ganz vorne mitspielt.

Die den 1959 geborenen Lienzer, der als Künstler auch als Norbert Brunner-Lienz auftrat, bereits früh zu einer konzeptuellen Großtat inspiriert hat, als er für die „Dokumentarische Dialektstudie“ 1979 bzw. 1999 zusammen mit Michael Schuster das „Vaterunser“ durch 24 Nord- und Südtiroler Dörfer verfolgte. Als Zeichner ließ er Psychologisches, Mythisches und Ikonografisches sich in surrealen Situationen verfangen, etwa im Zyklus „Im Spiegel der Psyche“, wenn er blauweiße Pyjama-Streifen über Möbel, Wände, ganze Innenräume wuchern ließ. Erweitert durch eines seiner experimentellen Hörstücke, die Brunner, der an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien studiert hat, unter anderem auch für den ORF schuf. Etwa die „Nullmelodie“ mit Wolfgang Mitterer 1986.

Am 6. August ist Norbert Brunner völlig überraschend in Wien verstorben, wo er gelebt und gearbeitet hat. (jel)




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