Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 03.09.2014


Kunst

Aus dem Fremden über das Eigene lernen

Auch so kann Völkerverständigung funktionieren: Kunstprojekt „Tirolesia“ von Helena Lea Manhartsberger.

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© manhartsberger



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Wenn Sie dieser Tage von einer jungen Frau, die per Motorrad durch Tirol tourt, aufgefordert werden, aus 30 in Indonesien aufgenommenen Fotos eines auszusuchen, das Sie an eine persönliche Geschichte erinnert, werden Sie zum Teil eines Kunstprojekts. Ist die Bikerin doch die 27-jährige Tirolerin Helena Lea Manhartsberger, die mit ihrem multimedialen Projekt „Tirolesia“ einen unkonventionellen interkulturellen Dialog zwischen Indonesien – wo sie im vergangenen Jahr Fotografie studiert hat – und ihrer Heimat anzetteln will.

„Grundlage des Projekts ist ein Perspektivenwechsel auf beiden Seiten“, sagt die an der Uni Wien Internationale Entwicklung studierende Helena Manhartsberger. War sie doch im vergangenen Jahr bereits rund 3000 Kilometer quer durch die indonesische Inselwelt unterwegs, um junge und alte Menschen, gebildete und ungebildete, Städter genauso wie solche, die auf dem Land leben, ihr Lieblingsfoto von Tirol wählen und ihre ganz persönliche Geschichten dazu erzählen zu lassen.

Die Tiroler Impressionen hat Manhartsberger aus dem Internet gefischt, die indonesischen hat sie selbst gemacht. Um erstaunlich große Parallelen zwischen den an sich so unterschiedlichen Ländern festzustellen. Es sind schöne genauso wie traurige Bilder, zeigen Landschaften und Städte genauso wie Obdachlose, Flohmärkte, Hochzeiten, Bräuche oder Essen.

Viele Menschen seien anfangs skeptisch, wenn sie sie anspreche, in Indonesien genauso wie in Tirol. Sie zu überzeugen aber genauso leicht, sei ihr nur bei einem Tiroler nicht geglückt. Und wenn sie einmal anfangen zu erzählen, „werden die Geschichten oft sehr lang“, sagt Manhartsberger. Die sich wundert, wie viel sie bei diesen Gesprächen über ihre eigene Kultur gelernt hat.

Die Gespräche werden von ihrem indonesischen Projektpartner, dem Streetartisten Diegie Sigit, gefilmt und jeder, der sich auf das Projekt einlässt, um eine selbst verfasste und eigenhändig geschriebene Bildunterschrift gebeten. Die ganz knapp oder auch mehrere Seiten lang sein kann.

Diese genauso wie die Fotos bzw. Videos der Geschichtenerzähler werden Teil eines großen Ausstellungsprojekts. Premiere ist im Februar 2015 in Jakarta und Yogyakarta, bevor die Schau im August im Rahmen der EuroSEAS Conference Vienna und anschließend im Innsbrucker Fotoforum gezeigt werden wird.




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