Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 08.09.2014


Osttirol

Burg Heinfels: Vom Sperrgebiet zum Kulturmagnet

Der „Museumsverein Burg Heinfels“ wurde am Samstag im Rittersaal der Burgruine gegründet. Nach Jahren der Beratung soll die Revitalisierung des mittelalterlichen Kleinods angegangen werden.

© BlassnigRechts am Sakralbau Petrus und Paulus vorbei führt der Weg in die mächtige Wehranlage.Fotos: Blassnig



Von Christoph Blassnig

Heinfels – „Wir wollen diese Burg wieder mit Leben füllen“, bekundet Andreas Burger, einer der beiden Geschäftsführer am Loacker-Standort Heinfels, nach der Vereinsgründung am Samstag. Seit Februar 2007 ist die A.-Loacker-Tourismus-GmbH Besitzerin des einsturzgefährdeten Burggemäuers im Osttiroler Oberland.

Vor dem Eingang zur Burg witzelt der Sillianer Bürgermeister Erwin Schiffmann: „Die Schutzhelme gibt es gleich links hinter der Tür!“

Wegen instabiler Mauerteile musste das geschichtsträchtige Gebäude im November 2012 durch das Bundesdenkmalamt gesperrt werden. Zum Tag des Denkmals waren 2010 noch 1250 Besucher der Einladung auf die Burg gefolgt. „Einhundertfünfzig Personen könnten wir im Rahmen einer Veranstaltung nach einer vollständigen Sanierung im Inneren unterbringen“, rechnet Burger. „Abhängig davon, wie umfangreich Nutzungskonzept und Finanzierungsplan die dazu notwendigen Umbauten ermöglichen.“

Wenn alle Gebäudeteile wiederhergestellt werden sollen, werden in den nächsten drei bis vier Jahren bis zu sieben Millionen Euro zu bezahlen sein. Für Loacker Tourismus als alleinige Geldgeberin sei das nicht finanzierbar, so Burger. „Der Verein verteilt die Last auf mehrere Schultern, über mehrere Jahre. Mit unseren Partnern versprechen wir uns nach einigen Jahren der Konzeptstudien neuen Zug.“ Auch die Unterstützungszusage durch die Tiroler Landesgedächtnisstiftung habe positiv gewirkt.

Landtagspräsident Herwig van Staa hatte die Gemeinden Heinfels und Sillian dazu mit der Gründung eines öffentlichen Trägervereins für die Durchführung der Burgsanierung beauftragt. Ebenfalls Gründungsmitglieder sind die Gemeinden Abfaltersbach, Strassen, Außer- und Innervillgraten, Kartitsch sowie Ober- und Untertilliach. Mit einem Jahresbeitrag von zwanzig Euro kann man ordentliches Mitglied im Museumsverein werden, ab einhundert Euro förderndes Mitglied.

Touristisch wie wirtschaftlich sei die Burg als Kulisse interessant, man müsse aber auf Frequenz setzen, ausschließlich museale Nutzung sei zu wenig, glaubt Burger. Ganz Osttirol könne von einem leuchtenden neuen Veranstaltungsort profitieren. Innichen, Toblach und Sexten hätten ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit bekundet, so der Loacker-Vertreter.

„Wir sehen, dass es möglich ist. Es gibt andere Orte, wo das gut funktioniert, zum Beispiel Sand in Taufers. 70.000 Besucher zählt man dort im Sommer. Kunst, Kultur, Tourismus, Wirtschaft und Öffentlichkeit müssen einen solchen Magneten gemeinsam am Laufen halten.“

Drei Arbeitskreise kümmern sich im Verein um die Erarbeitung konkreter Nutzungskonzepte, die Finanzierung und die Instandsetzung der Burg Heinfels. Nach einer Nutzungsvereinbarung zwischen dem Verein und der Eigentümerin soll ein hauptberuflicher Projektmanager die Geschicke leiten.

Zuvor steht eine Grundsanierung an, die bis 2018 abgeschlossen sein könnte: Wiederaufbau eingestürzter Mauern, Instandsetzung oder Erneuerung von Decken, Böden, Dächern und Fassaden, Türen und Fenstern, dazu eine Grundinstallation. Erst dann könne das Gemäuer für die weitere Nutzung adaptiert werden.

„Gewählter Präsident des Museumsvereins Burg Heinfels ist für drei Jahre der Unternehmer Josef Steinringer, seine beiden Stellvertreter sind Georg Hofmann und Manfred Juen“, erklärt Schriftführer Peter Leiter. „Kontaktadresse ist das Gemeindeamt Heinfels.“