Letztes Update am Mo, 17.11.2014 11:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kunst

Von rätselhaften Symbolen durchsetztes Weltbild

250 Objekte aus der Sammlung von Jan Baptist Bedaux erklären im Schwazer Museum der Völker das bizarre Weltbild der Dogon.



Von Edith Schlocker

Schwaz – Die Kunst der Dogon ist voller Geheimisse. Nichts ist hier zufällig, kein Detail ohne Bedeutung, durchdrungen von einem formal fast modern daherkommenden Symbolismus, mit dem das im Osten von Mali lebende Volk ihr kosmisch durchsetztes Weltbild erklärt. Das den belgischen Kunsthistoriker Jan Baptist Bedaux so fasziniert, dass er seit vielen Jahren ausschließlich die Kunst der Dogon sammelt.

Rund 900 Objekte sind auf diese Weise in nicht ganz vier Jahrzehnten zusammengekommen. Monumentale und winzig kleine, die meisten aus Holz, aber auch solche aus Eisen, Leder oder Textilien. 250 davon durfte sich Gert Chesi für eine Sonderausstellung im Schwazer Museum der Völker ausleihen, darunter ganz seltene Objekte von gewaltigem Versicherungswert.

In eine Welt entführend, die nicht von dieser zu sein scheint. Stammen die meisten der gezeigten Objekte doch aus den Nischen, in denen die in einem schmalen, rund 250 Kilometer langen, auf einer Hochebene lebenden Dogon in den Felsen von Bandiagara ihre Toten bestattet haben. Wo ehemals das Volk der Tellem lebte, die zwischen dem zehnten und 13. Jahrhundert von den Dogon vertrieben oder – wie Chesi glaubt – von diesen assimiliert wurden.

Das trockene Klima und der Schutz vor Niederschlägen ließ die in diesen Nischen versteckten Masken und Fetische viele Jahrhunderte praktisch unversehrt überleben. Die reizvoll ornamentierten hölzernen Nackenstützen, auf die die Toten gelagert wurden genauso wie wunderbar abstrahierte figurale Fetische, deren Patina als Spuren ehemaliger Opferungsrituale zu deuten sind.

Viele der gern seriell dargestellten Figuren heben ihre Arme in dramatischem Abwehrgestus in die Höhe oder verbergen ihre Gesichter in den Händen. Aber auch geometrisch stilisierte Tiere wie Schlangen, Pferde und Krokodile bevölkern den Kosmos der Dogon, für die jedes kleinste Lebewesen ein Mikrokosmos des Universums ist. Was auch alltägliche Objekte umfasst, die Form von Architekturen genauso wie die der Körbe für Hirse, der wichtigsten Nahrungsquelle des heute rund 300.000 Menschen zählenden Volkes. Deren sich schon jetzt auf das Kopieren alter Vorbilder beschränkende Kultur dem Untergang geweiht ist, nicht zuletzt durch den Vormarsch des Islam, der bekanntlich jegliche Darstellung des Menschen verbietet.

Für Sammler afrikanischer Stammeskunst am begehrtesten sind allerdings die Masken der Dogon. Von denen es rund 100 Typen gibt, getragen von Tänzern im Rahmen kultischer Rituale. Bis zu zehn Meter hoch können diese Masken sein, die größte in Schwaz zu sehende misst immerhin stattliche viereinhalb Meter.




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