Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.04.2015


Kunst

Opulente Kulissen für queere Rollenspielchen

Katrina Daschner verwandelt durch glitzernde Lamettavorhänge den Kunstpavillon in eine Bühne für ihre gestickten Bilder und kurzen Filme.

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© daschner



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Den 1842 als noblen Teesalon erbauten, von der Tiroler Künstlerschaft seit Jahrzehnten als lichtdurchfluteten Ausstellungsraum genutzten Kunstpavillon verwandelt Katrina Daschner nun in eine Bühne. Der Eingang bleibt der alte, ist das Entree für die Besucher genauso wie das Off für die leibhaftig virtuell bleibenden Akteure.

Schlicht und einfach „Daschner“ nennt die gebürtige Hamburgerin, die seit 20 Jahren als Künstlerin und Filmemacherin in Wien lebt, ihre magische Raumverwandlung. Sie ist dominiert von zwei monumentalen glitzernden Lamettavorhängen, wie man sie allerdings eher in einer schummrigen Bar als in einem klassischen Theater vermuten würde. Um im Kunstpavillon als veritable Raumverwandler zu funktionieren. Indem sie den auf diese Weise entstehenden eigentlichen Ausstellungsraum unendlich hoch, den hinteren dunklen Kinoraum dagegen riesig erscheinen zu lassen.

Das Gefühl von Ambivalenz, die Lust an opulenten Bildern genauso wie an strengen Choreographien, letztlich ein queeres Denken in allem, was sie tut, ist charakteristisch für Daschners Kunst. Um in den hellen Raum ihre eigenhändig gestickten Bilder zu hängen. Ein ironisches Hinterfragen tradierter Geschlechterrollen lässt sich hier vermuten, auch wenn die Formen, mit der diese schwarzen Quadrate durchpflügt sind, mit weiblichen Fleißaufgaben von vorgestern so gar nichts zu tun haben. Mutiert das Gestickte hier doch zur puren grafischen Struktur, zur Notation einer Choreographie, zum schnörkellosen Architekturentwurf.

Opulent sind dagegen die Bilder in Daschners Filmen. Schnitzlers „Traumnovelle“ hat nicht nur Stanley Kubrick zu seinem Streifen „Eyes Wide Shut“ inspiriert, sondern auch sie zu einer auf neun Teile angelegten filmischen Oper. Drei der Sequenzen sind inzwischen realisiert, von denen zwei nach Durchschreiten eines weiteren glitzernden Lamettavorhangs zu sehen sind.

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Der 2015 entstandene Streifen „Powder Placenta“ entführt in arkadische Idyllen, in denen Vögel fröhlich zwitschern. Illusionistisch gemalte Landschaften sind die opulente Kulisse für ein eigenartig kostümiertes bzw. bemaltes queeres Paar, das sich an Blütigem oder Obstigem eindeutig lustvoll reibt. Doch das Paradies ist bedroht. Umschleichen doch Füchse das Paar, die, wenn sie schlafen, zum Streicheln animieren, wenn sie wach sind allerdings spontan Fluchtgedanken suggerieren. Der architektonisch spektakuläre Zuschauerraum des Turin Teatro Regio ist dagegen die Kulisse für den Film „Parole Rosette“ von 2012. Zwei Gruppen von Frauen treten hier in strenger Choreographie gegeneinander an. Aufgemischt durch eine schwüle, eindeutig sexuell konnotierte Symbolik in der Form von Parallelen, die Daschner in den Architekturen des Raums und der Körper findet.