Letztes Update am Mi, 06.04.2016 06:52

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Literaturprojekt

Innsbruck liest: Zwei Schwestern brechen aus

Didi Drobnas „Zwischen Schaumstoff“ ist das „Innsbruck liest“-Buch 2016. 10.000 Exemplare des ebenso berührenden wie aberwitzigen Adoleszenzromans werden ab dem 14. April gratis in Innsbruck verteilt.

© Alex WagnerFür einen Auszug aus „Zwischen Schaumstoff“ wurde Didi Drobna 2012 beim Wortlaut-Wettbewerb des Radiosenders FM4 ausgezeichnet.



Von Joachim Leitner

Innsbruck – In diesem Jahr hätte man es erraten können: Am kommenden Samstag leitet die Wiener Autorin Didi Drobna zum zweiten Mal eine Schreibwerkstatt im Innsbrucker Literaturhaus. Die Präsentation der in diesem Rahmen entstandenen Texte war schon seit Längerem für den 20. April im Freien Theater angekündigt.

Zu einem Zeitpunkt also, an dem die Landeshauptstadt traditionell im Zeichen von „Innsbruck liest“ steht. Ein Zusammenhang zwischen beiden Umständen lag auch deshalb nahe, weil Drobnas Roman „Zwischen Schaumstoff“ den im Vorjahr etwas adaptierten Anforderungen für ein „Innsbruck liest“-Buch beinahe passgenau entsprach: Das ambitionierte Debüt einer jungen Autorin, literarisch überzeugend und thematisch so gelegen, dass diskursive Schnittstellen quasi auf der Hand liegen.

Mit anderen Worten: „Zwischen Schaumstoff“ – für die Auswahl zeichnen der Buchhändler Boris Sebastian Schön, die Autorin Barbara Aschenwald und der Literaturkritiker Anton Thuswaldner verantwortlich – ist nicht nur erhellende und durchaus spannende Lektüre, sondern taugt zweifellos auch zum Anstoß für Diskussion. Über das Heranwachsen in viel zitiert „schwierigen Verhältnissen“, zum Beispiel. Oder über psychologische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen. Wie gesagt, dass „Zwischen Schaumstoff“ das „Innsbruck liest“-Buch 2016 wird, hätte man erraten können. Auch weil das Buch im kleinen, aber engagierten Wiener Verlag edition exil erschienen ist.

Und die Unterstützung von Kleinverlagen, die mangels Ressourcen nur selten im literarische Rampenlicht glänzen können, zu den honorigeren Nebeneffekten eines Lesesförderungsprojektes wie „Innsbruck liest“ gehört. Doch alle potenziellen Informanten hielten bis zur gestrigen Bekanntgabe dicht.

Zwischen 14. und 16. April also werden 10.000 Exemplare des Romans gratis in Innsbruck verteilt. Und die kollektive Lektüre mit umfangreichem Rahmenprogramm begleitet.

Dass Didi Drobnas Roman, diese öffentliche Aufmerksamkeit, die von der Stadt Innsbruck mit 30.000 Euro unterstützt wird, verdient, steht außer Frage. „Zwischen Schaumstoff“ ist ein starker Text, der seine Dringlichkeit durch ein – auf den ersten Blick – betont einfaches Stilmittel erzeugt: Die berührende und durchaus aberwitzig abenteuerliche Geschichte zweier Mädchen, die nach mehreren schicksalhaften Tiefschlägen die Flucht nach vorne wagen, wird abwechselnd aus der Perspektive der Protagonistinnen erzählt.

Die eine, Lisa, ist eine Teenagerin, die andere, Lisas kleine Schwester Daisy, feiert am Beginn des Romans gerade ihren siebten Geburtstag. Wobei, „feiern“ trifft die Familienzusammenkunft nur bedingt: Das nicht gerade liebevoll geplante Fest endet mit knallenden Türen und zornigem „Fick dich“-Gebrüll. In wenigen Strichen umreißt Drobna Milieu und Verfasstheit ihrer Figuren – und wartet in der Folge doch mit überraschenden Wendungen und liebevoll gezeichneten Nebencharakteren auf. Kurzum: Die in diesem Jahr erstmals von Ulrike Tanzer, Leiterin des Brenner-Archivs, wissenschaftlich begleitete Jury hat sich für einen Roman entschieden, dem man eine breite Leserschaft wünscht.

Ob allerdings alle 10.000 Exemplare des einigermaßen grob geleimten Buches den zu erwartenden Leseransturm unbeschadet überstehen werden, darf bezweifelt werden.

Hier gibt es das Buch

Donnerstag, 14. April

IVB Bus Museumstraße

(11:30 – 14:00 Uhr/Platz vor dem Tiroler Landesmuseum, Signierstunde: 11:30–12:30 Uhr)

IKB Kundencenter, Salurner Straße 11

Buchhandlung Tyrolia, Maria-Theresien-Straße 15

Buchhandlung Wagnersche, Museumstraße 4

Freitag, 15. April

AK-Bücherei, Maximilianstraße 7 (Signierstunde: 10:00–11:00 Uhr)

Tiroler Tageszeitung, Brunecker Straße 3

IKB Recyclinghof, Roßaugasse 4a

Buchhandlung Phönix, Marktgraben 21

Buchhandlung Studia, Herzog-Siegmund-Ufer 15

Samstag, 16. April

UPC Shop, Museumstraße 5 (Signierstunde: 13:00-14:00 Uhr) Stadtbücherei Innsbruck, Colingasse 5a

Buchhandlungen Haymon, Sparkassenplatz 4

Buchhandlung Wiederin, Erlerstraße 6