Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 26.08.2016


Literatur

Der Tod als wahrer Geliebter

Connie Palmen schildert in „Du sagst es“ eine Literatenbeziehung aus der Sicht des Mannes.



Von Alexandra Plank

Innsbruck – Sie war so etwas wie ein „Fräuleinwunder“, die amerikanische Lyrikerin Sylvia Plath. Er war einer der anerkanntesten englischen Schriftsteller der Nachkriegszeit: Ted Hughes. 1956 lernen sie sich in einem Literaturzirkel an der Universität Cambridge kennen. Der Verbindung entstammen zwei Kinder, Plath wird zusehends zu Hughes Anhängsel bis zu ihrem finalen Auftritt: Als sie Selbstmord begeht, wird ihr Mann, der sie betrogen und verlassen hat, in den Augen der Öffentlichkeit zum Verräter. Sie geht indes als feministische Märtyrerin in die Annalen ein.

De facto ist es aber ihr Tod, der zum Auftakt für die Wertschätzung ihres Werkes wird. Ihre private Vita kann hingegen nicht geschrieben werden. Nach ihrem Tod vernichtet Ted, der den Nachlass regelt, Sylvias Tagebuch der letzten drei Monate. „Ich wollte nicht, dass unsere Kinder das lesen müssen“, rechtfertigte er sein Tun. Zu den immer heftiger werdenden Anschuldigungen schweigt er. Bis er nur zehn Monate vor seinem Tod in „88 Gedichte aus Birthday Letters“ versucht, die Last der Verantwortung für den Tod seiner Frau von sich zu weisen.

Die niederländische Autorin Connie Palmen verleiht Hughes nun in ihrem neuesten Buch eine gewichtige Stimme und postuliert, dass man in einer Liebe nie nur einem die Schuld geben könne.“ Schonungslos legt sie dar, dass die junge Frau, die laut ihrem Verleger wirkte wie aus der Kochreklame, von Beginn an nur einen wahren Geliebten kannte: den Tod. In einem ihrer letzten Verse heißt es: „Sterben. Ist eine Kunst wie alles. Ich kann es besonders schön.“ Die Erfolgsautorin schildert, wie Plath ihrem Geliebten in Folge des ersten Zusammentreffens heftig in die Wange biss und ihn „damit gezeichnet und zu dem Ihren gemacht hat“. Wie sie, da er sie nicht mehr liebte, alles daran setzte, ihn zu vernichten. Palmen lässt den Schriftsteller Trost in einem Satz von Arthur Miller finden: „Wer Selbstmord begeht, will immer zwei töten.“

Es ist nicht anzunehmen, dass „Du sagst es“ ausreicht, um Hughes zu rehabilitieren. Die Fama will es, dass er, ein skrupelloser Frauenheld, die reine Literatin erst um den Verstand und dann um die Lebensfreude gebracht hat. Dennoch ist es ein wichtiges Buch. Da eine Frau als Verteidigerin auftritt, unterbleibt männliche Weinerlichkeit. Der Roman entwickelt von der ersten Seite an einen unglaublichen Sog. Obwohl das Ende bekannt ist, bleibt die tiefenpsychologische Studie bis zur letzten Seite spannend.

Roman Connie Palmen: Du sagst es. Verlag Diogenes. 279 Seiten. 22 Euro.




Kommentieren


Schlagworte