Letztes Update am Mo, 05.06.2017 19:10

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kurz vor Ablauf der Frist

Ende des Dylan-Abenteuers: Sänger reicht Nobelpreis-Rede ein

Am Montag hat Bob Dylan endlich seine Nobelvorlesung eingereicht - kurz vor Ablauf der Frist. In einer Tonaufnahme sinniert der US-Sänger über das Verhältnis zwischen seinen Songs und der Literatur.

Eine Aufnahme von Bob Dylan aus dem Jahr 1965.

© APEine Aufnahme von Bob Dylan aus dem Jahr 1965.



Stockholm/Washington - Kurz vor Ablauf der Frist hat Bob Dylan (76), Literaturnobelpreisträger 2016, seine Nobelvorlesung abgeliefert. Die Rede sei als Tonaufnahme eingetroffen, bestätigte die Schwedische Akademie am Montag.

Die Frist wäre am Samstag abgelaufen, ihre Einhaltung ist Voraussetzung dafür, um die mit dem Literaturnobelpreis dotierten acht Millionen Schwedischen Kronen (etwa 820.000 Euro) ausgezahlt zu bekommen.

Dylan habe der Schwedischen Akademie einen Text mit Reflexionen zum Verhältnis seiner Songtexte zur Literatur geschickt, teilte die Vorsitzende der Akademie, Sara Danius, am Montag in einem Blogeintrag. "Die Rede ist außergewöhnlich", schrieb Danius. In dem Vortrag, der im Hintergrund von Klaviermusik begleitet wird, beschreibt der Sänger, welche Musik und Bücher ihn beeinflusst haben.

"Als ich diesen Literaturnobelpreis zuerst erhalten habe, habe ich mich genau gefragt, wie meine Songs mit Literatur zusammenhängen", schilderte Dylan in seiner Rede. Er nannte Musiker, die ihn inspirierten, wie den Rock'n'Roll-Musiker Buddy Holly, und klassische Romane, die ihn am meisten beeindruckten, darunter "Moby Dick" von Herman Melville und das Weltkriegsdrama "Im Westen nichts Neues" des deutschen Schriftstellers Erich Maria Remarque.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Die Schwedische Akademie hatte Dylan den Preis im Oktober zuerkannt, als Würdigung seiner poetischen Neuschöpfungen in der amerikanischen Songtradition. Er war am 13. Oktober als erstem Musiker überhaupt der Nobelpreis für Literatur zugesprochen worden. Tagelang reagierte der 75-Jährige nicht öffentlich, was für Befremden gesorgt hatte. Erst zwei Wochen später kündigte er an, er nehme die Ehre selbstverständlich an und wolle "falls möglich" auch zur Preisverleihung am 10. Dezember nach Schweden kommen.

Zur Preisverleihung am 10. Dezember war er nicht erschienen - unter Verweis auf andere Verpflichtungen. Er schickte stattdessen eine Dankesrede, die von der US-Botschafterin in Schweden verlesen wurde. Im April hatte er dann die Medaille und Urkunde abgeholt, als er während einer Tournee für zwei Konzerte sowieso in Stockholm war. "Das Dylan-Abenteuer nähert sich dem Ende", schrieb Danius. (APA, dpa, AFP)


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Thomas Gottschalk mit Freundin Karina Mroß. Die Beziehung zu ihr hatte er im März bekannt gegeben.Rundfunk
Rundfunk

Doch nicht wegen Gesundheit: Gottschalk tritt mit BR-Sendung ab

Maue Quoten, durchwachsene Kritiken: Von ihm selbst als seine „letzte Chance“ gesehen, galt Gottschalks Literatursendung im Bayerischen Rundfunk nicht als de ...

Peter Handke hielt am Sonntagabend seine Nobelpreis-Vorlesung.Nobelpreis 2019
Nobelpreis 2019

„Spiele das Spiel. Sei nicht die Hauptperson“: Handke hält Nobelpreis-Vorlesung

In seiner Nobelpreis-Vorlesung beschwor Peter Handke das eigene Werden. Die Kontroverse um seine Auszeichnung erwähnte er nicht.

Bestsellerautorin Charlotte Link.Exklusiv
Exklusiv

Charlotte Link im TT-Interview: „Meine Recherche-Reisen machen mir großen Spaß“

Wenn Charlotte Link ein Buch schreibt, dann wird es ein Bestseller. Ein Gespräch über ihre Liebe zu England, ihre Ängste als Mutter und ihr Leben als Schrift ...

Peter Handke bei der Pressekonferenz.Literatur
Literatur

Handke-Nobelpreis: Geburtstag gefeiert, Versöhnung gescheitert

Mit einem von Journalisten angestimmten Ständchen zu seinem 77. Geburtstag hat am Freitag die Pressekonferenz mit dem österreichischen Literaturnobelpreisträ ...

Kettly Mars zählt zu den wichtigsten Autorinnen Haitis. <span class="TT11_Fotohinweis">Foto: imago</span>Literatur
Literatur

Wunden, die nicht heilen

Horror aus Haiti: Kettly Mars’ Roman „Der Engel des Patriarchen“.

Weitere Artikel aus der Kategorie »