Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 12.06.2017


Exklusiv

Der traumatisierte Träumer

Dacia Maraini zählt zu den wichtigsten Autorinnen Italiens. Auch in ihrem aktuellen Roman geht die 80-Jährige dahin, wo es wehtut. Am Mittwoch präsentiert sie ihn in Innsbruck.

Dacia Maraini gilt seit mehreren Jahren als Kandidatin für den Literaturnobelpreis.

© Lengemann/LaifDacia Maraini gilt seit mehreren Jahren als Kandidatin für den Literaturnobelpreis.



Von Joachim Leitner

Innsbruck – In literarischen Werken droht bei sprechenden Namen akuter Klischeeverdacht: Wenn einer, wie in Dacia Marainis neuem Roman „Das Mädchen und der Träumer“, Sapienza, also Wissen oder Weisheit, heißt, dann darf man davon ausgehen, dass er den Dingen auf den Grund gehen will, um zu verstehen, was wirklich Sache ist. Außerdem ist Nani Sapienza Lehrer. Also einer, der es von Berufs wegen versteht, das angehäufte Wissen zu vermitteln. Und tatsächlich wird in „Das Mädchen und der Träumer“, der Roman wird aus Nanis Perspektive erzählt, viel doziert – über die Mythen antiker Hochkulturen, über die psychoanalytische Deutung klassischer Märchen, aber auch über die Kriminalstatistiken der Gegenwart. Harter Stoff. Kein Wunder, dass sich manche Eltern über ihn echauffieren. Schließlich unterrichtet er keine angehenden Kulturhistoriker, sondern Achtjährige.

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