Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.07.2017


Literatur

Der verschollene Bugatti

Martin Walkers Polizist Bruno löst in diesem Sommer bereits seinen neunten Fall.

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© Thomas Boehm / TT



Von Brigitte Warenski

Innsbruck – Auf Bruno und seinen neuesten Fall „Grand Prix“ warten Zigtausende Leser so sehnsüchtig wie auf einen herrlichen, langen Sommer. Bereits zum neunten Mal schickt daher der schottische Erfolgsautor Martin Walker seinen Chef de police auf Mördersuche in der wunderschönen französischen Region Périgord.

Wie zu erwarten, verbringt der sympathische Polizist seine Freizeit weiterhin am liebsten am Kochherd, genießt mit Freunden Cassoulet und Apfelkuchen inklusive ein paar Gläschen Wein und plaudert mit der illustren Runde über Lokalpolitik. Und weil Walker viel Wissen und ein Faible für die Geschichte der Résistance (Widerstand) im Zweiten Weltkrieg hat, hat das Böse erneut mit alten Zeiten zu tun. Neben einem richtig fiesen Erbschaftsstreit und einem mysteriösen Herzinfarkt geht es um ein wertvolles Auto. Bruno – der selbst lieber auf seinem Pferd als im Auto sitzt – organisiert eine Oldtimer-Rallye. Das Event lockt zwei leidenschaftliche Sammler an, die auf der Jagd nach dem letzten von nur vier gebauten Bugatti Type 57 SC Atlantik sind, der im Zweiten Weltkrieg im Périgord verschwunden sein soll. Und wenn sich zwei um ein so wertvolles Objekt streiten, muss irgendjemand natürlich zu Tode kommen. Inspiriert wurde Walker diesmal – wie er in den Danksagungen schreibt – von seiner älteren Tochter Kate, die Motorradjournalistin ist und sich u. a. auf die Geschichte von Formel-1-Rennen spezialisiert hat. Und die wahre Geschichte rund um die beiden legendären Fahrer des verschollenen Bugattis, William Grover-Williams und Robert Benoist, die im besetzten Frankreich ein Résistance-Netzwerk leiteten, liefert Stoff genug für einen guten Krimi. Den bekommt Walker auch diesmal bestens hin.

Schade nur, dass sich die Spannung nur sehr schleppend aufbaut und der Motor nur stotternd ins Rollen kommt. Irgendwie scheint die Figur ein wenig ausgereizt, an Bruno gibt’s kaum Neues zu entdecken. Vielleicht ist Bruno ein wenig in die Jahre gekommen – im Gegensatz zu seinen Frauen. Denn statt dass die alte, gescheiterte Liebe wiederaufflammt, erobert eine sehr junge Dame das Herz des Franzosen. Und nochmals schade: Denn auch der Lovestory fehlt letztendlich das prickelnde Etwas.

Krimi Martin Walker: Grand Prix. Diogenes. 384 Seiten, 24,70 Euro.

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