Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 27.07.2018


Literatur

Der Polizist geht unter die Ritter

Alte Konflikte, neue Frauen: Martin Walker legt seinen zehnten Bruno-Krimi vor.

© Thomas Boehm / TTDer schottische Schriftsteller, Historiker und Journalist Martin Walker verbringt einen Teil des Jahres immer selbst im Périgord.



Von Brigitte Warenski

Innsbruck – Dass das Périgord touristisch eine neue Blüte erlebt, hat die französische Region ohne Zweifel Martin Walker zu verdanken. Bereits zum zehnten Mal schickt der schottische Schriftsteller in „Revanche“ seinen Bruno, Chef de police, dort auf Mörderjagd.

Und weil Walker selbst immer einen Teil des Jahres auf diesem wunderschönen Fleckchen Erde verbringt, versetzen Brunos Fälle wie gewohnt beim ersten Satz in Ferienstimmung. Walker kennt in der geschichtsträchtigen französischen Region quasi jeden Baum, jedes Weingut, die hiesigen Bauern, Politiker, das Rugby- und Tennisteam, den Jagdverein und natürlich den „echten“ Stadtpolizeichef seines fiktiven Städtchens Saint-Denis. Doch die Bruno-Fälle des bekennenden Frankreichfans sind nicht nur Regionalkrimis erster Sahne, die pünktlich zur Sommerzeit im Urlaubskoffer landen. Weil Walker Historiker und politischer Journalist ist und u. a. 25 Jahre für die britische Tageszeitung The Guardian tätig war, hat die Mörderjagd auch immer mit historisch relevanten wie brisanten Themen zu tun.

Diesmal geht es bei der Spurensuche um den legendären Templerschatz, der in unterirdischen Gängen der echten Burg Commarque vermutet wird. An der Felswand des Chateaus wird die Leiche einer israelischen Archäologin mit einem Horn neben ihrer Hand gefunden. Nicht nur ein mysteriöses Graffiti, sondern auch das Testament Ifthikars, das Auskunft über die wahren Erbauer der Stadt Jerusalem geben soll, lassen Zweifel am Unfalltod der Frau aufkommen. Und weil auch lebende und vor allem schöne Frauen in keinem Bruno-Fall fehlen dürfen, tritt diesmal die attraktive Amélie aus Guadeloupe in Erscheinung. Sie soll im Périgord studieren, wie das in Frankreich allerorts angespannte Verhältnis zwischen „police“ und „gendarmerie“ so friktionsfrei wie in Saint-Denis gestaltet werden könnte, und soll Bruno zudem in Sachen soziale Medien tauglich fürs 21. Jahrhundert machen. Doch schnell knüpfen sich freundschaftliche Bande und das Ermittlerduo taucht ein in die Geschichte des sagenhaften Ritterordens der Templer, den Philippe IV. in einer Nacht zerschlagen ließ.

Und damit eröffnet Walker seinen Reigen an Themen, die den spannenden Kriminalfall begleiten. Vom alten und immer noch schwelenden Konflikt zwischen Juden, Muslimen und Christen über die Terrororganisation IS und akademische Dispute zwischen Archäologen und Historikern bis zu den Konflikten zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern. Dazu trifft man bekannte Figuren aus Brunos erstem Fall, auf seine große Liebe Isabelle, mit der natürlich auch die Auslandsgeheimdienste auf den Plan gerufen werden.

Ein „Walker“, der erneut hält, was Millionen von treuen Fans sich von ihm erhoffen. Nun heißt es nur noch warten – denn Bruno ermittelt erst wieder in exakt 12 Monaten.

Krimi Martin Walker: Revanche. Der zehnte Fall für Bruno, Chef de police. Aus dem Englischen von Michael Windgassen, 403 Seiten, 24,70 Euro.