Letztes Update am Fr, 31.08.2018 13:29

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nobelpreis

Schwedische Akademie streitet weiter: Alternativer Literaturpreis

Die Schwedische Akademie ist auch ein halbes Jahr nach ihrem Skandal völlig zerstritten. Wichtige Mitglieder weigern sich, die Arbeit wieder aufzunehmen. Die Kulturszene reagiert mit einer eigenen Initiative.

© AFP/Jonathan NackstrandJahr für Jahr warten Journalisten in den Saal der Schwedischen Akademie, dass sich die Türe öffnet und der Nobelpreisträger für Litertur bekannt gegeben wird. In diesem Jahr nicht, der Preis wird erst 2019 vergeben.



Stockholm – Im Streit in der Schwedischen Akademie, die den Literaturnobelpreis vergibt, sind die Fronten weiter verhärtet. Die Mitglieder Sara Danius, Peter Englund und Kjell Espmark dementierten am Freitag einen Bericht der Tageszeitung Svenska Dagbladet, dass sie in die Akademie zurückkehren wollten. Auf Facebook schrieb Danius: «Die Informationen sind falsch. Zurzeit habe ich keine solche Pläne.» Englund schrieb auf Instagram: „Ich habe derzeit keine Pläne, zur Arbeit zurückzukehren und werde auch nicht an Versammlungen teilnehmen.“ Die drei stellten aber in Aussicht, möglicherweise an wichtigen Wahlen teilzunehmen.

Danius, Englund und Espmark waren im April aus Empörung über den Umgang der Akademie mit einem Belästigungs- und Korruptionsskandal zurückgetreten, hatten aber ihren Sitz in dem Gremium behalten. Vor der Sommerpause waren nur noch neun der achtzehn auf Lebenszeit gewählten Mitglieder aktiv. Die Statuten schreiben vor, dass eine Gruppe von zwölf Mitgliedern benötigt wird, um neue Mitglieder zu wählen. Für die weitere Arbeit ist es also notwendig, dass die verbleibende Mitglieder wieder an die Akademie zurückkehren. Die Vergabe des Literaturnobelpreises für dieses Jahr musste wegen des Streit abgesagt werden.

Crowdfunding für alternativen Nobelpreis der „Neuen Akademie“

Aus Protest gegen den Skandal haben Persönlichkeiten aus der schwedischen Kultur die „Neue Akademie“ gegründet, die mit Mitteln des Crowdfundings in diesem Jahr einen alternativen Literaturpreis vergeben will. Die Neue Akademie wolle damit ein Zeichen setzen, dass Literatur wichtiger sei als interne Rivalitäten in der Schwedischen Akademie, sagte die Pressesprecherin Emma Fastesson Lindgren der dpa am Freitag. Über 100 Schriftsteller, Theaterleute, Journalisten und andere Akteure unterstützen die Initiative.

Vier Autoren haben es jetzt ins Finale geschafft: der Brite Neil Gaiman, der Japaner Haruki Murakami, die Kanadierin Kim Thuy und Maryse Condé aus Guadeloupe. Bibliothekare in ganz Schweden waren aufgefordert, ihre Favoriten zu nominieren, über die dann im Internet abgestimmt wurde. Eine vierköpfige Jury wird nun den Preisträger ermitteln. Am 12. Oktober, eine Woche nach der Bekanntgabe der Nobelpreise, wird er verkündet.

Das angestrebte Preisgeld von 100.000 Euro wird über verschiedene Kanäle gesammelt. Auch bei der Finanzierung der Übergabezeremonie im Dezember ist man auf Spenden angewiesen. Danach werde sich die Akademie auflösen, so Fastesson Lindgren. „Unser Ziel ist sicherzustellen, dass in diesem Jahr ein Literaturpreis vergeben wird. Wir hoffen, dass jemand anderes es 2019 tut.“ (dpa)