Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 04.09.2018


Literatur

Schwule Liebe im Krieg

Schriftsteller Markus Jäger erzählt die Liebes- und Fluchtgeschichte zweier Männer.

© Andy StoneMarkus Jäger arbeitet auch als Bibliothekar in der Stadtbücherei.



Innsbruck — Ein junger Mann namens Felix fiebert seiner Reifeprüfung entgegen. Er verweilt auf einer Wiener Parkbank und hängt beim Lernen seinen Gedanken nach. Seine Gefühle schwanken dabei zwischen Prüfungsangst und der Vorfreude darauf, endlich seinen autoritären Professoren den Rücken zu kehren, um ein Leben in Freiheit genießen zu können. Felix möchte an der Universität Literatur studieren und sich mit seinen Lieblingsdichtern beschäftigen. Seine Eltern, vor allem sein tyrannischer Vater, bringen für die schöngeistigen Vorlieben ihres Sohnes allerdings kein Verständnis auf. Sie interessieren sich kaum für das Leben ihres heranwachsenden Sohnes und wissen auch nichts von seiner Gefühlswelt.

Der 1976 geborene Tiroler Schriftsteller Markus Jäger verortet seinen Roman „Helden für immer" im Jahr 1936 und schildert schon auf den ersten Seiten, wie seine Hauptfigur Felix den jungen Bankangestellten Killian kennen lernt. Killian wird sein Begleiter und schließlich auch die Liebe seines Lebens.

Was aus heutiger Sicht nicht mehr ganz so ungewöhnlich erscheint, war während der Zeit des Nationalsozialismus ein lebensbedrohliches Unterfangen. Das Leben der beiden homosexuellen Männer wird zu einer schauspielerischen Herausforderung. Sensibel erzählt Jäger von ihrem geheimen Zusammenleben und vom täglichen Kampf um die passende Ausrede. Die einzelnen Lebensstationen des Paares sind in mehrere — ambitioniert angelegte — Kapitel unterteilt und spielen an verschiedenen Orten, etwa Marseille, Stockholm oder München. Leider fallen diese Kapitel an entscheidenden Stellen zu knapp aus. Jäger fokussiert zu sehr auf die Beziehungsebene und vernachlässigt dabei andere Erzählstränge, die seine Figuren in das historische Geschehen eingebettet hätten. Die Dialoge erscheinen zu gegenwartsbezogen und passen oft nicht in das gewählte historische Setting. Eine weitere Schwachstelle dieses Romans ist die Redundanz der sprachlichen Mittel, die das eigentliche Erzähltalent Jägers verschüttet. Trotz dieser Schwächen kann der Roman als mutiges und engagiertes Plädoyer für Liebe und Toleranz gelesen werden. (geta)

Roman Markus Jäger: Helden für immer. Querverlag Berlin, 285 Seiten, 18 Euro. Lesung Heute, 14 Uhr, Stadtbücherei, Colingasse 5a, Innsbruck.