Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.10.2018


Krimifest Tirol

Krimipreis für Poznanski: Eine Vielschreiberin, die keine sein will

Bestsellerautorin Ursula Poznanski wurde zum Abschluss des Krimifests Tirol der Österreichische Krimipreis verliehen.

Die Wiener Schriftstellerin Ursula Poznanski wurde am Freitagabend mit dem Österreichischen Krimipreis ausgezeichnet.

© Bernhard Aichner/KrimifestDie Wiener Schriftstellerin Ursula Poznanski wurde am Freitagabend mit dem Österreichischen Krimipreis ausgezeichnet.



Innsbruck – Heimtückische Morde, der eine oder andere Totschlag, entführte Kinder, ratlose Kommissare, dubiose Dunkelmänner und gleich mehrere Femme fatales: In der zurückliegenden Woche schien Tirol fest in der Hand lokal wie global agierender Schwerstkrimineller. Die Bilanz des zweiten Krimifests Tirol freilich fiel gänzlich unblutig, aber äußerst positiv aus. Rund 3700 Besucher wurden bei den insgesamt 47 Veranstaltungen in ganz Tirol gezählt. „Beinahe 500 mehr als im Vorjahr“, freut sich Mit­organisator Bernhard Aichner im TT-Gespräch. Aichner selbst war für den Zuwachs nicht ganz unverantwortlich: Er präsentierte seinen neuen Thriller „Bösland“ im bereits Wochen vorher restlos ausverkauften Treibhaus.

Auf dem Programm der nächsten Auflage des österreichweit größten Festivals für Spannungsliteratur wird bereits gebastelt. Noch allerdings hält sich Aichner bedeckt. Auch das Gerücht, dass das Festival künftig über Tirols Grenzen hinaus wachsen könnte, bleibt unkommentiert. Zum Abschluss des heurigen Festivals wurde – wie vorab berichtet – die Wiener Autorin Ursula Poznanski mit dem Österreichischen Krimipreis ausgezeichnet. Eigentlich zu wenig. Befand jedenfalls Vorjahressieger und Laudator Thomas Raab: „Poznanski hätte den Nobelpreis verdient.“ Die Ausgezeichnete selbst ging die Ehrung zurückhaltender an: Sie habe das Privileg, mit einem Beruf erfolgreich zu sein, der ihr jeden Tag Spaß mache. Daher entschied sich die 50-Jährige, das vom Innsbrucker Immobilienentwickler Pema gestiftete Preisgeld in Höhe von 4000 Euro einem Schulprojekt in Südafrika zu spenden.

Ursula Poznanski zählt zu den auflagenstärksten und fleißigsten Autorinnen Österreichs. Seit ihrem Romandebüt „Erebos“ 2010 veröffentlichte sie alljährlich mindestens zwei Bücher. Schon davor publizierte sie mehrere Kinderbücher. Seit 2012 bildet sie mit Arno Strobel zudem ein äußerst gefragtes Autorenduo. „Wir spielen Pingpong“, sagt Poznanski über die Kooperation. „Er schreibt ein Kapitel, ich das nächste, dazwischen bearbeiten wir uns gegenseitig.“ Als „Vielschreiberin“ sieht sich Poznanski – aller Produktivität zum Trotz – nicht: „Mein angestrebtes Tagespensum sind fünf Seiten, manchmal, wenn alles im Fluss ist, sind es vielleicht mehr, manchmal weniger“, sagt sie. Wichtig sei dafür vor allem, dass man das Ende eines Romans kennt: „Ich muss wissen, worauf ich zuschreibe, dazwischen kann aber fast alles passieren“, so die Neo-Krimipreisträgerin, deren neuer Thriller „Vanitas“ Anfang Februar 2019 erscheinen wird. (jole)