Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 23.12.2018


Literatur

Alte, neue und kuriose Bräuche zur stillen Zeit

Das Aperschnalzen wird in Salzburg und im Rupertiwinkel ausschließlich ab dem Stefanitag bis Faschingsende betrieben.

© TVB Bergheim/ReinhartDas Aperschnalzen wird in Salzburg und im Rupertiwinkel ausschließlich ab dem Stefanitag bis Faschingsende betrieben.



Innsbruck – Er ist mit den Bräuchen des Jahreslaufes vertraut. Nun versammelt der Volkskundler Reinhard Kriechbaum in dem kleinen Buch „Tannenbaum und Bohnenkönig“ auf einer vergnüglichen, oft auch erstaunlichen Erkundungstour Bräuche, Überliefertes und Geschichten zur „stillsten“ Zeit. Vom Berchtesgadener Buttenmandl bis zu den Küssnachter Klausjägern, vom Allgäuer Bärbele bis zum Frankenberger „Platzen“, vom Aperschnalzen, Rauchengehen, Krippenspiel bis zur Glöcklerroas wird beim Blick durchs Land und über den Tellerrand keine der althergebrachten, modernen und kuriosen Gepflogenheiten vergessen. Adventkranz, Krippe und Christbaum sind vertraut, viele Traditionen, Umzüge oder Veranstaltungen gibt es aber nur in bestimmten Regionen und Ortschaften.

Was entzückt am Innsbrucker Einzug des Christkindls, was bewegt in Bayern und im Salzburgischen die Schützen zum „Christkindl-Anschießen“? In Innsbruck werden geschätzte 25.000 Zuschauer ruhig, wenn das Christkind in der Pferdekutsche vorbeizieht, begleitet von 600 Kindern als Hirten und Engel, singend und musizierend. Und selbst die Schützen freuen sich, wenn auch lautstark, mit ihrem Salutschießen über die Ankunft des Gottessohnes.

Weil Kriechbaum auch Journalist ist, erfährt man u. a. dieses: Rund 2,2 Millionen Christbäume stehen in österreichischen Haushalten, in Deutschland sind es 24 bis 25 Millionen, in der Schweiz rund 1,2 Millionen. Die Forstwirtschaft macht mit Christbäumen etwa 15 Prozent ihres Jahresumsatzes. (u.st.)

Gelebtes Brauchtum. Reinhard Kriechbaum: Tannenbaum und Bohnenkönig. Geschichten und Bräuche rund um Advent und Weihnachten. Verlag Anton Pustet, 2018, 256 Seiten.