Letztes Update am Mo, 31.12.2018 16:25

DPA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


1939-2018

Letztes Geleit für Schriftsteller Amos Oz: In seinem Kibbuz Chulda beigesetzt

Oz galt als Galionsfigur der israelischen Friedensbewegung und wurde immer wieder als Kandidat für den Literaturnobelpreis genannt.

Amos Oz.

© imago stock&peopleAmos Oz.



Tel Aviv – Israel hat sich am Montag von seinem bekanntesten Schriftsteller verabschiedet. Amos Oz wurde am Nachmittag in seinem Kibbuz Chulda beigesetzt – rund 40 Kilometer südöstlich von Tel Aviv. Seine Witwe Nily, gestützt von ihren Kindern und Enkelkindern, spielte am Grab auf einer Blockflöte.

Am Vormittag war der schwarz umhüllte Sarg von Amos Oz im Kulturzentrum Zavta in Tel Aviv öffentlich aufgebahrt worden. Hunderte Menschen gingen schweigend daran vorbei, einige weinten. Staatspräsident Reuven Rivlin verabschiedete sich mit einer Traueransprache von „unserem geliebten Amos“. Er war Schulkamerad und Nachbar von Oz in Jerusalem. In seinem Werk habe Amos Oz „über uns alle geschrieben“, sagte Rivlin. Seine Bücher seien gleichzeitig persönlich und universell gewesen.

Hoffnung auf Friede werde weiterleben

Die Tochter Fania Salzberger-Oz betonte, auch nach dem Tod von Oz werde seine Hoffnung auf Frieden und Versöhnung mit Israels arabischen Nachbarn und den Palästinensern weiterleben. Das persönliche Glaubensbekenntnis ihres Vaters sei in einem Gebot zusammenzufassen: „Du sollst nicht wehtun.“ Auch die Enkelsöhne Dean und Nadav Salzberger verabschiedeten sich in emotionalen Ansprachen von ihrem Großvater. Bei der Trauerzeremonie waren viele Politiker des linken Lager anwesend, aber auch Kulturministerin Miri Regev von der rechtsorientierten Regierungspartei Likud.

Oz war am Freitag im Alter von 79 Jahren an Krebs gestorben. Er galt als meisterhafter Erzähler und wurde immer wieder als Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt. Oz‘ Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der Vater dreier Kinder und mehrfache Großvater war zudem Mitbegründer und Galionsfigur der israelischen Friedensbewegung.

Geboren wurde Oz 1939 als Amos Klausner in Jerusalem. Seine Eltern waren jüdische Einwanderer aus der Ukraine. Seine Mutter litt unter Depressionen und nahm sich das Leben, als Oz zwölf Jahre alt war. Dieses traumatische Erlebnis bestimmte sein Leben. Er beschrieb es eindrücklich in seinem autobiografischen Roman „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“. (APA/dpa)