Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.01.2019


Literatur

Willi Resetarits: Ein Star wider Willen, kapitelweise

Buch zum runden Geburtstag: Sänger Willi Resetarits, 70, hat eine launige Autobiografie aufschreiben lassen.

„Ich glaube, ich bin glücklich.“ Willi Resetarits, Positivdenker.

© lukas_beck„Ich glaube, ich bin glücklich.“ Willi Resetarits, Positivdenker.



Von Markus Schramek

Innsbruck – „Ich habe drei gesunde Kinder. Ich habe eine Frau, die ich liebe. Ich glaube, ich bin glücklich.“ Schön, wenn man zum 70er ein solches Zwischenresümee ziehen kann. Willi Resetarits gibt sich am Ende seiner Autobiografie „Ich lebe gerne, denn sonst wäre ich tot“ (CSV, 24,90 Euro) versöhnt mit der Welt.

Wozu aber sollte man sich die 274 Seiten vor dem Schlusswort überhaupt reinziehen? Weil sie gut unterhalten und sprachlich niemanden überfordern, zum Beispiel. Vor allem aber, weil das Buch reichlich Atmosphäre vermittelt aus dem Österreich nach dem 2. Weltkrieg.

Willi Resetarits wurde 1948 in ein zerstörtes Land hineingeboren. In Stinatz im Südburgenland kam er auf die Welt. Dort wurde eine Mischung aus Kroatisch und Ungarisch gesprochen. Deutsch lernte Willi erst, nachdem er als Kind mit seiner Familie nach Wien-Favoriten übersiedelte. Die Jobchancen für den Vater, einen Bauarbeiter, waren in „Wean“ einfach besser.

Herzhaft unverblümt hat Resetarits seine Lebensgeschichte dem Journalisten und Verleger Christian Seiler erzählt. Der hat sie aufgeschrieben. Wir erfahren von beengten Wohnverhältnissen der bettelarmen Familie Resetarits am Humboldtplatz, mit nur einem Zimmer und Klo am Gang. Und vom großen, 14 Monate älteren Bruder Erich, in dessen Schatten der ängstliche Willi so gerne verschwand. Jener Erich, der später unter dem zweiten Vornamen Lukas als Schauspieler und Kabarettist von sich hören machte.

Willi schüttelte den Schatten des Bruders schließlich dauerhaft ab. Mit den Schmetterlingen führte er in den 70ern Politik und Musik künstlerisch zusammen. Und in der Figur des Kurt Ostbahn mutierte der Sänger gegen Ende der 80er-Jahre zum Star wider Willen, ja sogar zum Hitparadenabräumer.

Die Auftritte des Ostbahn-Kurti mit der Chefpartie waren berühmt-berüchtigt. Ältere Semester schwärmen noch heute davon. 1991 geigte der Kurti auf dem Fußballplatz von Ostbahn XI in Wien-Simmering auf – vor 17.000 Fans. Willi R. erinnert sich nur verschwommen an diesen Gig: Im Bühnengewusel bekam er einen Schlag ab und ging k. o.

Aussetzer standen bei Resetarits damals an der Tagesordnung. Oft war er rotzbesoffen. Textlücken bei Konzerten waren die Regel. Und spätnachts wollte der Schlüssel gar nicht ins Türschloss passen.

„Na, so wirst ned oid“ heißt ein Song aus jener Zeit. Resetarits scheint sich das zu Herzen genommen zu haben.