Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 25.02.2019


Osttirol

Comic-Kunst auf Osttirolerisch

Andreas Unterkreuter verwandelt Sagen in Comics, die er in Buchform in der Bücherei Lienz präsentierte.

In Unterkreuters künstlerischer Aufarbeitung der Osttiroler Sagen hat auch moderne Technik einen Platz.

© Brunner ImagesIn Unterkreuters künstlerischer Aufarbeitung der Osttiroler Sagen hat auch moderne Technik einen Platz.



Von Daniela Agu

Lienz – Der 1969 geborene Lienzer Künstler Andreas Unterkreuter wusste immer, was er wollte. Die Arbeit als Illustrator und Comiczeichner ist sein Leben. In Wien schloss er sich einem Kreis Gleichgesinnter an und war bemüht, mit seiner Kunstform wahrgenommen zu werden. Nicht nur herausragendes Talent zum Zeichnen und Schreiben begleitete ihn seit seiner Kindheit, sondern auch die Begeisterung dafür. Für seine Comics erfindet er ständig neue Geschichten, die er schon immer einem breiten Publikum zugänglich machen wollte. Layout, Dramaturgie, Details und Handarbeit sind die Zutaten seiner Werke. Er hat sich auch künstlerisch gegen Intoleranz und Populismus engagiert. Seine phantasievollen Legenden beinhalten Helden und Bösewichte, Ufos und Sagengestalten.

Von Letzteren handelt sein neues Buch „Teufelsstein & Feuerbutzen“, welches in der Stadtbücherei Lienz präsentiert wurde. Herausgeber Gerhard Pirkner vom Dolomitenstadt-Verlag präsentierte den Künstler und sein Werk. Es sei ein spezielles Produkt, so der Herausgeber. „Wären es nur Bilder, dann wäre es eine Vernissage, wäre es nur Text, dann wäre es eine Lesung.“ Die Comics wurden auf die Wand projiziert und Unterkreuter las dazu aus dem Original vor. Comics seien eine vernachlässigte Kunstform, stellte er fest, sie würden diskreditiert und nicht als Literatur wahrgenommen, stellen jedoch eine künstlerische Ausdrucksform dar.

In seinem Buch, in dem Osttiroler Sagen als Basis für seine Helden und Monster dienen, lässt er humoristisch in die Abgründe der Osttiroler Seele blicken. Die Texte sind im Dialekt verfasst, sie wurden von Sigrid Unterwurzacher redigiert und bearbeitet.

„Wir brauchen keine Importe aus Hollywood. Die Schnabelmenschen sind einzigartig.“

Zum Vergleich für das Publikum wurde der Originaltext aus den Tiroler Sagen vorgelesen. Das „Venedigermandl“ von Unterkreuter sprach natürlich Italienisch, wurde im Hochgebirge nicht verstanden und war mit venezianischen Insignien ausgestattet, Karnevalsmaske und geflügelter Löwe durften nicht fehlen. Im Defereggental tauchten die „Schnabelmenschen“, die sich über die Umweltverschmutzung ärgern, wieder aus dem Reich der Verschwundenen auf. Unterkreuter verglich die Wesenheiten mit den Figuren aus Jurassic Park. „Wir brauchen keine Importe aus Hollywood. Die Schnabelmenschen sind einzigartig. Sie entsprechen unseren Archetypen.“ Die Sagengestalten, die Unterkreuter wie große, wild gewordene Hühner zeichnet, stürmen in seiner Darstellung sogar den Rauterplatz in Matrei und werden schließlich von einem Unwetter vernichtet.

Unterkreuter zeigte sich hocherfreut über das rege Interesse an seiner Arbeit. „Meine Wiener Kollegen sind eifersüchtig auf mich“, ließ er durchblicken.

Am 1. März, 18 Uhr, wird das Comic-Buch in der Bücherei Kals vorgestellt.




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