Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 07.03.2019


Literatur

“Der Tote im Schnitzelparadies“: Ein Polizist mit zu viel Libido

Der Krimi-Autor Joe Fischler schickt nach seiner Ermittlerin „Veilchen“ nun einen Mann namens „Bussi“ auf Spurensuche nach Tirol.

Der Tiroler Autor Joe Fischler präsentiert sein Buch am 8. März in der Wagner’schen Buchhandlung. Beginn ist um 19.30 Uhr.

© Andreas Rottensteiner / TTDer Tiroler Autor Joe Fischler präsentiert sein Buch am 8. März in der Wagner’schen Buchhandlung. Beginn ist um 19.30 Uhr.



Innsbruck – Der Tiroler Joe Fischler lanciert dieser Tage schon seine zweite Krimireihe. Nach den erfolgreichen „Veilchen“-Bänden rund um die eigenwillige Kommissarin Valerie Mauser folgt nun ein Polizist, der auf den klingenden Namen Arno Bussi hört.

Während die Veilchen-Krimis noch im heimischen Haymon-Verlag erschienen sind, hat Fischler nun nicht nur den Protagonisten, sondern auch den Verlag gewechselt. „Der Tote im Schnitzelparadies. Ein Fall für Arno Bussi“ wird von Kiepenheuer & Witsch herausgebracht. In seinem ersten Fall wird Bussi, ein hoch begabter Ermittler, der große Karriere in Wien hätte machen können, in ein Tiroler Kaff namens Hinterkitzlingen strafversetzt. Denn in Bussis Adern fließt italienisches Blut. Und so kommt es, dass er die Sache mit der Libido nicht ganz im Griff hat. Genau genommen hat ihn sich die Frau des Innenministers wortwörtlich zur Brust genommen, dann aber behauptet, er sei zudringlich geworden.

Im Gegensatz zu den ersten Krimis, in denen der Völser auf Lokalkolorit setzte und der Leser der Kommissarin Schritt für Schritt auf ihren Wegen durch und um Innsbruck folgen konnte, ist der Ort des Geschehens nun fiktiv. Ein Dorf, wie es wohl oft in Tirol auf ähnliche Art existiert, aber eben nicht genau so wie in Fischlers Buch. Auch die Sprache des Autors hat sich gewandelt. In seinem Erstling setzte er stark auf die Ausformung des Charakters seiner Protagonistin Veilchen, die sich mit allen anlegt. Nun wird die Geschichte in lässigem, leicht schnoddrigem Ton erzählt. Fast hat man das Gefühl, Fischler habe eine Anleihe bei Wolf Haas genommen. Wobei das wohl zu viel der Ehre wäre.

Die Geschichte rund um einen Kopf, der in der Kühltruhe eines Schnitzelrestaurants auftaucht, ist aber amüsant und spannend erzählt. Ähnlich wie Veilchen ist dem Leser Bussi gleich sympathisch, vor allem, weil er auch im hintersten Kaff noch auf eine Schönheit trifft, die den Vergleich mit internationalen Berühmtheiten nicht zu scheuen braucht. Der Bussi ist so hin und weg, dass er wieder einen Herzklappenfehler wegen der schönen Maid riskiert. Letztlich wird der Mörder enttarnt, Motiv und Tat sind nicht rasend originell, aber nachvollziehbar.

Fraglich bleibt, wie es mit Bussi weitergehen soll. Schon bei Krimis, die in ganz Tirol spielen, stellt sich rasch die Frage, wie viele Menschen noch gemeuchelt werden. In einem Nest wie Hinterkitzlingen liegt schnell die Hälfte der Bevölkerung im Grab, während die andere im Häfen sitzt. Aber wer weiß, vielleicht darf er zurück nach Wien, der Bussi. Weil gegen die Liebe ist halt nirgends nicht ein Kraut gewachsen. (pla)

Krimi Joe Fischler: Der Tote im Schnitzelparadies. Kiepenheuer & Witsch, 331 Seiten, 10,30 Euro.