Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.05.2019


Osttirol

Text über Clubbing in China brachte Osttirolerin Literaturpreis

Katharina Zanon erhielt für ihre chinesischen Impressionen den Preis des Südtiroler Künstlerbundes. Literatur ist nicht ihr einziges Talent.

Katharina „Kathi“ Zanon ist nicht nur Literatin, sondern auch bildende Künstlerin. Sie studierte unter anderem in China.

© Peter UnterwegerKatharina „Kathi“ Zanon ist nicht nur Literatin, sondern auch bildende Künstlerin. Sie studierte unter anderem in China.



Von Peter Unterweger

Leisach, Bozen – Am 8. Mai wurden in Bozen die Preisträger des Südtiroler Literaturwettbewerbs bekannt gegeben. In der Kategorie Dramatik wurde Norbert Nöckler aus dem Ahrntal ausgezeichnet. Der Preis in der Sparte Prosa ging nach Osttirol. Mit dem Text „Dr. Oscar“ konnte Katharina Zanon aus Leisach die Jury überzeugen.

Prämiert werden Texte, die „von ihrer formalen wie inhaltlichen Intensität kraftvoll, originell und gewagt sind“, stand in der Ausschreibung des Südtiroler Künstlerbundes zu lesen. 36 junge Autorinnen und Autoren aus Süd-, Nord- und Osttirol stellten sich dieser Aufgabe in der Kategorie Prosa.

Inhaltlich und sprachlich punktete Zanon, geboren 1990 in Lienz, mit ihrem Text bei der Jury. „Die Sprache, nein, die Kunstsprache ist bemerkenswert“, so kommentierte Juror Christoph Pichler den Siegertext. Die Szenerie eines Clubbings im Norden Chinas ist der inhaltliche Ausgangspunkt des Textes. „Es gibt da wirklich riesige Nachtlokale, mit unvorstellbarem Entertainment, mit tollen Bühnen, mit Tanzböden, die federn, bis hin zu Stripperinnen“, berichtet Zanon von ihren Erfahrungen während ihres zweijährigen Aufenthalts in China. Die Rolle der „Westler“ – viele Russen besuchen die Clubs – boten ihr Stoff für ihren Beitrag.

„Beobachtete Geschichten entwickle ich dann weiter und baue viele fiktive Elemente ein, die ins Absurde getrieben werden“, beschreibt die weitgereiste Osttirolerin ihre Methode. In der Begründung attestiert die Jury der Autorin das Talent, von einer fremden Welt zu berichten, ohne moralisierend oder wertend aufzutreten.

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Die Einreichung der Texte erfolgte anonym. Die Jury, bestehend aus der Kulturpublizistin Inga Hosp, dem Autor Martin Fritz und dem RAI-Redakteur Christoph Pichler, wertete die Beiträge. Erst dann wurden die Verfasser bekannt gegeben. Der Literaturpreis wird ergänzt durch das Angebot, den Text mit einem professionellen Coach, dem Schriftsteller Sepp Mall, zu bearbeiten. „Ich möchte den Text mit ihm noch ein Jahr weiterentwickeln und ihn dann vorstellen, mit Lesungen und online“, verrät Zanon ihre Pläne. Und sie möchte die Charaktere, die sie im Text entworfen hat, in Collagen umsetzen. „Wenn ich einen Text schreibe, läuft das im Kopf wie in einem Film ab“, schildert sie. „Dann nehme ich Szenen heraus.“ Als Künstlerin hat Zanon viel mit Video gearbeitet. „Vielleicht entsteht auch ein Film aus dem Text“, sagt sie.

Eigentlich hat Katharina Zanon zwei Texte für den Südtiroler Literaturpreis geschrieben. Bei der Wahl, welchen sie einreichen solle, wurde sie von ihrer Schwester Nora beraten. „Nora bekommt alle meine Texte als Erste zu lesen, sie ist meine Erstbegutachterin“, berichtet die Autorin. Die schwesterliche Entscheidung war offensichtlich die richtige.

Zur Preisverleihung in Bozen kam Katharina Zanon nicht persönlich. Sie lebt seit über einem Jahr in Athen, einer weiteren Station ihrer Wanderschaft: Nach der Matura in Lienz hat sie ein Modecollege in Mailand besucht, ihr Kunststudium absolvierte Zanon in Wien und Linz, zwei Jahre lernte sie die Kunstszene in China kennen.

Das Talent des Schreibens scheint der Künstlerin schon in den Genen mitgegeben worden zu sein. Ihr Vater Christoph Zanon, verstorben 1997, zählt zu den interessantesten Tiroler Vertretern der Literatur. Auch Bruder Benjamin hat den Weg in der Kunst gewählt. Nach dem Studium der Bildhauerei in Düsseldorf lebt und arbeitet er in Innsbruck.