Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 29.06.2019


Bezirk Imst

Ötzis Radl erzählt Geschichte(n)

Ausstellungseröffnung und Buchpräsentation rund um ein Gefährt, das Geschichte macht und Geschichten erzählen kann.

Eine Begegnung mit „Ötzis Bike“, wie es bereits humorvoll genannt wird, bleibt voller Fragezeichen. Jetzt ist das Fahrrad ein Exponat.

© PraxmarerEine Begegnung mit „Ötzis Bike“, wie es bereits humorvoll genannt wird, bleibt voller Fragezeichen. Jetzt ist das Fahrrad ein Exponat.



Von Anna Praxmarer

Längenfeld – Welch verschiedenartige Gesichter Zeitzeugen haben können, zeigte im Sommer 2018 der Fund eines 60 bis 100 Jahre alten Fahrrades, welches auf dem Rotmoosjoch ausgeapert war. Basierend auf dem soeben erschienenen Buch „Geschichten von der Grenze in den Ötztaler Alpen“ wurde im Ötztaler Gedächtnisspeicher eine Ausstellung rund um das so genannte Gletscherrad konzipiert. Die Buchpräsentation und Ausstellungseröffnung fanden am vergangenen Donnerstag in Anwesenheit des Herausgeber- und Autorenteams sowie zahlreicher Besucher statt.

Man könnte sagen, der Gletscher hätte die Kuriosität zum richtigen Zeitpunkt freigegeben, jährt sich doch heuer die Entstehung der österreichischen Staatsgrenze durch die Ötztaler Alpen zum hundertsten Mal. Dies­ veranlasste Buchherausgeberin Edith Hessenberger, auch Leiterin der Ötztaler Museen und Kuratorin der Ausstellung, dazu, sich mit der Teilung Tirols nach dem Ersten Weltkrieg auseinanderzusetzen. Neben ihr und dem zweiten Herausgeber, Thomas Bachnetzer, schätzten auch die Autoren Michael Kasper, Walter Leitner, Hubert Steiner, Hugo Penz, Hans Karl Peterlini und Johann Zauner die Chance, das Fahrrad in einen wissenschaftlichen Kontext zu setzen. Die fehlende nachweisbare Erklärung für den rätselhaften Fund auf rund 3000 Metern Seehöhe tut der Spannung keinen Abbruch. Es gäbe durchaus eine Interpretation, die naheliegend erscheint. „Nach Kriegsende kamen Hunderte Wehrmachtssoldaten über die Grenze. Angeblich hatten manche von ihnen tatsächlich Gegenstände wie Fahrräder bei sich“, verrät Hessenberger. Ein gutes Stück sensationeller machen die Ausstellung außerdem die Überreste eines vor Jahrzehnten in eine Gletscherspalte gestürzten Mulis. Die Hintergründe zum Lastentier waren bereits innerhalb weniger Tage geklärt worden – es soll „Joggl“ geheißen haben. Man kann gespannt sein, was die durch den Klimawandel stark abschmelzenden Gletscher in den nächsten Jahren noch freigeben werden.




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