Letztes Update am Mo, 12.08.2019 11:58

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Interview

Rita Falk im Interview: „Ich würde mich schon als Spannerin bezeichnen“

Kinotour statt Lesereise: Rita Falks Krimi „Leberkäsjunkie“ wurde verfilmt und läuft aktuell in den Kinos. Heute erscheint ihr neuer Roman „Guglhupfgeschwader“. Ein Gespräch mit der Bestsellerautorin.

Heute erscheint Falks nächster Eberhofer-Krimi mit dem Titel „Gugelhupfgeschwader“.

© Thomas Boehm / TTHeute erscheint Falks nächster Eberhofer-Krimi mit dem Titel „Gugelhupfgeschwader“.



Wie hat Ihre schriftstellerische Karriere begonnen?

Rita Falk: Ich bin 2008 arbeitslos geworden und plötzlich waren da so viele Stunden am Tag übrig. Als meine Kinder klein waren, habe ich oft kürzere Texte geschrieben. Diesmal wollte ich aber etwas Längeres schreiben. Also habe ich damit begonnen, an einem Buch zu arbeiten. Anfangs war das nur eine Übergangslösung bis zum nächsten Bürojob.

Wie kam es, dass Sie sich entschieden haben, Ihr Manuskript einem Verlag anzubieten?

Falk: Na ja, ich habe diesen Text meinen Freundinnen vorgelesen und sie waren begeistert. Sie haben mich auch ermutigt, einen Verlag anzuschreiben oder mit einer Literaturagentur zu reden. Also habe ich mir ein Herz gefasst und das auch gemacht.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Provinzkrimis zu schreiben?

Falk: Wie ich mich damals hingesetzt habe, um einen Roman zu schreiben, habe ich mir selbst die Frage gestellt, in welcher Gegend ich mich denn am besten auskenne. Für mich war sehr rasch klar, dass es Niederbayern sein muss, weil ich dort die meisten Jahre meines Lebens verbracht habe und diese Dörfer sehr gut kenne. Ebenso klar für mich war, dass ein niederbayerischer Polizist dort sein Unwesen treiben muss, weil ich mit einem solchen verheiratet bin. (lacht)

Der bayerische Dorfpolizist Franz Eberhofer ist sehr lebensnah. Wie entwickeln Sie Ihre Figuren?

Falk: Ich würde mich schon als „Spannerin“ bezeichnen. (lacht) Ich beobachte gerne Menschen. Wenn ich zum Beispiel in einem Restaurant sitze, dann höre ich schon zu, was am Nebentisch gesprochen wird. Meine Figuren entspringen aber nicht nur der Realität. Ich würde sagen, es ist eine Mischung. Ich habe auch eine lebhafte Fantasie.

Ihre Bücher sind zum großen Teil verfilmt worden. Derzeit läuft gerade „Leberkäsjunkie“ im Kino. Hatten Sie im Vorfeld, also beim Casting und bei den Dreharbeiten, ein Mitspracherecht?

Falk: Ja, das hatte ich von Beginn an. Ich arbeite sehr eng mit Produzentin Kerstin Schmidbauer zusammen und lese jedes Drehbuch. Wenn mir etwas nicht gefällt, dann wird das besprochen bzw. gegebenenfalls auch geändert. Von den Verfilmungen bin ich aber wirklich sehr begeistert. Ich finde die Besetzung ist bis zur kleinen Nebenrolle perfekt gelungen. Ich habe das Gefühl, dass wir alle unser Bestes geben. Und das ist auch gut so, denn das haben sich die Leute auch verdient, die möglicherweise zwei Stunden für ein Autogramm oder ein Selfie anstehen.

Wenn Sie an Ihrer Krimireihe schreiben, sprechen Sie dann mit den Hauptdarstellern, etwa mit Sebastian Bezzel, der den Dorfpolizisten Franz Eberhofer verkörpert?

Falk: Ich habe die Schauspieler natürlich schon im Hinterkopf, aber das Schreiben ist meine Sache. Da bin ich komplett allein.

Die Titel Ihrer Krimis, etwa „Schweinskopf al dente“ oder „Sauerkrautkoma“, sorgen für Erheiterung. Welche Rolle spielt der Humor in Ihren Krimis?

Falk: Ich würde sagen, die Grundstimmung in meinen Büchern ist immer humorvoll. Es ist mir wichtig, meine Leser zum Lachen zu bringen, denn ich lache selbst auch gern.

Der Film „Leberkäsjunkie“, ist zwar durchaus unterhaltsam, aber er hat auch einen ernsten Hintergrund. Dorfpolizist Franz Eberhofer muss nämlich ganz allein die Verantwortung für seinen Sohn übernehmen. Wie sieht es in Wirklichkeit mit dem Feminismus in der Provinz aus?

Falk: Ich beobachte, dass in der Provinz die Mühlen etwas langsamer mahlen. Es ist egal, ob das jetzt der Feminismus ist oder ob es um Homosexualität geht. Deshalb wollte ich diese Themen in meinen Romanen unbedingt ansprechen.

Sie haben drei Jahre in München gewohnt, sind nun aber wieder in die bayerische Provinz zurückgekehrt. Wie leben Sie dort?

Falk: Ich wollte einmal in einer Großstadt leben und deshalb bin ich für drei Jahre nach München gezogen. Seit fünf Jahren jedoch lebe ich mit meinem Mann wieder auf dem Land. Wir wohnen in einer alten Dorfschule, die wir renoviert haben. Es ist auch ein großer Garten dabei. Da kann ich mich sehr gut entspannen. Außerdem haben wir drei Hunde, zwei Esel und zwei Ponys. Ich freue mich, wenn meine Söhne mit ihren Lebensgefährtinnen zu Besuch kommen. Da sitzen wir zusammen und kochen gemeinsam. Das sind immer wunderschöne Abende.

Wie gestalten Sie Ihren Lebensalltag, wenn Sie nicht gerade auf Kinotour sind?

Falk: Ich habe ein Büro und schreibe eigentlich genau in dem Rhythmus, in dem ich früher zur Arbeit gegangen bin. In der Mittagspause gehe ich meistens mit meinen Hunden eine Runde spazieren. Ich brauche Struktur in meinem Schreiballtag.

Als Sie mit dem Schreiben begonnen haben, hatten Sie literarische Vorbilder im Kopf?

Falk: Nein, eigentlich nicht. Das hat bestimmt damit zu tun, dass ich nicht von Anfang an die Absicht verfolgt habe, das Schreiben zu meinem Beruf zu machen. Deshalb bin ich ganz unvoreingenommen an die Sache herangegangen.

Heute erscheint der zehnte Eberhofer Krimi mit dem Titel „Guglhupf-Geschwader“. Das ist ein kleines Jubiläum. Was steht als Nächstes auf Ihrem Programm?

Falk: Ich bin momentan viel unterwegs und möchte mich gerne ein bisschen ausprobieren. Ich habe auch begonnen zu malen. Meine abstrakten Bilder werden demnächst in München, Augsburg und Rosenheim ausgestellt. Dann steht die Frankfurter Buchmesse auf dem Programm. Danach werde ich mir überlegen, wohin meine literarische Reise geht.

Ihre Eberhofer Krimis haben es auf die Bestseller-Listen geschafft. Wie erklären Sie sich die Begeisterung des Publikums für Ihre Bücher?

Falk: Vielleicht ist es die Unmittelbarkeit meiner Figuren, die eine Nähe zu den Lesern herstellt. Sie sitzen mit der Oma am Küchentisch, gehen mit dem Franz auf Streife und hocken mit dem Wolfi am Tresen. Sie fühlen sich auf eine Reise mitgenommen. Sie machen Urlaub in Niederkaltenkirchen. Vielleicht brauchen diese Menschen das „Heimelige“ in unserer kosmopolitischen Welt mehr als je zuvor.

Das Gespräch führte Gerlinde Tamerl