Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 14.08.2019


Bezirk Landeck

Kloster Marienberg: Im Wissensspeicher der Mönche

Im Kloster Marienberg entstand nach mehrjähriger Arbeit eine unterirdische Bibliothek mit Kosten von drei Millionen Euro. Zahlreiche historische Bücher haben Bezug zum heutigen Nordtirol und Bezirk Landeck.

Das mehr als 900 Jahre alte Benediktinerkloster Marienberg (1350 m Seehöhe) war über Jahrhunderte geistiges Zentrum in der Dreiländerregion.

© WenzelDas mehr als 900 Jahre alte Benediktinerkloster Marienberg (1350 m Seehöhe) war über Jahrhunderte geistiges Zentrum in der Dreiländerregion.



Von Helmut Wenzel

Mals, Marienberg – Wer weiß etwas über Oswald von Wolkenstein, Friedrich mit der leeren Tasche, Goswin von Marienberg, den Schriftsteller und Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung Johann Chrysanth Beda-Weber oder über die Heilkunde des 16. Jahrhunderts? Klar, das Internet-Lexikon Wikipedia weiß heute (fast) alles.

Nur, Originaldokumente und Fachliteratur aus früheren Jahrhunderten finden sich keinesfalls lückenlos im Netz. Da können die Mönche im Kloster Marienberg schon eher dienen: Sie haben Sachbücher und Literatur über Jahrhunderte gesammelt – mehr als 110.000 Bände.

Die neue Bibliothek wurde in uralte Klostermauern eingebettet, das Besucherinteresse ist groß.
Die neue Bibliothek wurde in uralte Klostermauern eingebettet, das Besucherinteresse ist groß.
- Wenzel

Das älteste gedruckte Buch stammt aus dem Jahr 1468. Darüber hinaus gibt es eine Sammlung handschriftlicher Dokumente. Das Raumklima in der nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen in uralte Klostermauern eingebetteten Bibliothek lässt Schädlingen keine Chance. „Womit die Bücher für die Zukunft gerettet sind“, stellt Andreas Waldner fest, der seit wenigen Wochen durch die im Juni eröffnete Schatzkammer des Klosters führt.

Nicht weniger als drei Mio. Euro hat das Kloster auf Initiative von Abt Markus Spanier in den Wissensspeicher investiert. Das Land Tirol und die Landesgedächtnisstiftung mit Präsident Herwig van Staa haben ebenso einen Beitrag geleistet wie das Land Südtirol, die Gemeinde Mals und der Verein Goswin. Jedes Buch hat seinen fixen Platz in den Regalen. Der Abt persönlich hat die Werke thematisch geordnet. Zahlreiche historische Werke haben einen Bezug zum heutigen Nordtirol, zum Bezirk Landeck und zum Obergericht“, sagt Bibliothekar Benjamin Santer über den Bücherschatz im Benediktinerkloster. Marienberg war über Jahrhunderte das geistige Zentrum in der Dreiländerregion Vinschgau, Engadin und Tiroler Oberland.

Mit seinem Kollegen Walter Garber hat Santer sämtliche Buchtitel in sechsjähriger Projektarbeit inventarisiert und eine Kurzbeschreibung über den Inhalt angelegt. Jeder Titel der Klosterbibliothek ist über den OPAC (Online Public Access Catalogue) der Universität Bozen abrufbar. Ausleihen kann man freilich nichts. Doch der Bibliothekar bringt das Buch nach vorheriger Online-Bestellung in den Lesesaal im Kloster. Selbst die deutsche Kanzlerin Angela Merkel ist auf den einzigartigen Wissensspeicher aufmerksam geworden und hat ihn vor wenigen Tagen besucht – freilich abgeschirmt von aller Öffentlichkeit, wie Waldner schilderte. Dennoch wurden Erinnerungsfotos gemacht.

Zahlreiche historische Werke sind in lateinischer bzw. mittelhochdeutscher Sprache verfasst.
Zahlreiche historische Werke sind in lateinischer bzw. mittelhochdeutscher Sprache verfasst.
- Wenzel