Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.09.2019


Tirol

Flächendeckendes Fieber: Eine Woche Wort- und Totschlag beim Krimifest

Das Krimifest Tirol findet im Oktober zum dritten Mal statt und expandiert bis an den Wörthersee.

Spannungsprofis: Bernhard Aichner, Charlotte Link und Ursula Poznanski (von links).

© Aichner, Baier, Mangione, KoskaSpannungsprofis: Bernhard Aichner, Charlotte Link und Ursula Poznanski (von links).



Innsbruck — Als Bernhard Aichner und Haymon-Verleger Markus Hatzer vor mehr als drei Jahren ihr erstes Krimifest Tirol konzipierten, dachten sie in großen Dimensionen: Das größte Festival für Kriminalliteratur Österreichs sollte es werden, ein Veranstaltungsreigen, der den Vergleich mit etablierten Festivals in Deutschland nicht zu scheuen braucht. Inzwischen sind sie diesem Ziel ziemlich nahegekommen. Das Krimifest, dessen dritte Auflage von 19. bis 25. Oktober stattfindet, hat Schule gemacht: Zeitgleich findet in und um Klagenfurt das Krimifest am Wörthersee statt. Und ein weiterer Ableger ist bereits im Entstehen, in Kooperation mit der Buchhandelskette Thalia wird es Lesungen in Wien, der Steiermark sowie in Ober- und Niederösterreich geben. Ein organisatorischer Kraftakt. Aber, wie Bernhard Aichner gestern am Rande der Programmpräsentation des Tiroler Krimifests erklärte, letztlich auch eine Erleichterung: „Wenn wir Autoren gleich für mehrere Auftritte einladen, ist das auch für größere Verlage interessant. Gerade internationale Autoren lassen sich leichter nach Österreich locken, wenn man ihnen eine echte Lesetour anbietet", so der Tiroler Bestseller-Autor, dessen neuer Thriller „Der Fund" pünktlich zum Krimifest erscheinen und am 20. Oktober sowohl in Ötztal-Bahnhof (10 Uhr) und im Innsbrucker Treibhaus (20 Uhr) präsentiert wird.

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Mitorganisator Markus Hatzer unterstreicht den Bildungsauftrag des Festivals. Das Krimifest sei ein Beitrag zur Leseförderung: „Wir machen ein Festival zum Anfassen, es soll Lust auf Literatur machen. Davon profitieren letztlich alle: Leser, Autoren, die Verlage und der Buchhandel." In Kulturlandesrätin Beate Palfrader fand gestern auch das bisweilen schlechtbeleumundete Krimi-Genre eine Fürsprecherin. „Kriminalgeschichten muss man lesen, um zu erkennen, was in moralischer Hinsicht der Mensch eigentlich ist", erklärte Palfrader mit Verweis auf den Philosophen Arthur Schopenhauer. Sie freue sich, dass in Tirol inzwischen beinahe flächendeckendes Krimifieber ausgebrochen sei. Dieses sei zwar „unheilbar, aber völlig ungefährlich". Die öffentliche Hand — Stadt, Land und Bund — fördert das Krimifest Tirol mit rund 28.000 Euro.

Beim dritten Krimifest sind 43 Veranstaltungen in ganz Tirol angesetzt. Die Macher rechnen mit rund 4000 Besuchern. 43 Autorinnen und Autoren haben sich angekündigt. Darunter die Auflagenkönigin Charlotte Link („Die Suche"), die am 24. Oktober im Treibhaus ihr Tiroldebüt geben wird. (TT)

Schweizer Weltreisende bekommt TT-Aufenthaltsstipendium

Christine Brand war Reporterin. Für die NZZ und das Schweizer Fernsehen saß sie in Gerichtsälen — und berichtete von realen Kriminalfällen. Ihre Reportagen wurde mehrfach ausgezeichnet. Inzwischen spinnt Brand ihre Eindrücke am Schreibtisch zu Romanen weiter. Und Brands Schreibtisch kann überall stehen. Allein 2017 verbrachte sie sieben Monate auf Weltreise. Für eine Woche wird Brand nun in Tirol arbeiten: Die 46-Jährige erhält das von der TT gestiftete Aufenthaltsstipendium des Krimifests. Brands jüngster Roman „Blind" ist im März erschienen. Am 24. Oktober präsentiert sie ihn in Reutte. In Wattens wird Christine Brand am 19. Oktober einen Schreibworkshop anbieten. (TT)

3. Krimifest Tirol

Skandinavische Stars: Gleich drei namhafte Vertreter des skandinavischen Thrillers haben sich zum Krimifest angekündigt: Arne Dahl wird am 20. Oktober im Innsbrucker Treibhaus lesen. Zwei Tage später stellt Katherine Engberg dort „Blutmond" vor. Hakan Nesser liest am 20. Oktober im Rathaussaal Telfs.

Heimische Helden: Herbert Dutzler kommt mit seinem neuem Altausseekrimi „Letzer Stollen" nach Tirol, Joe Fischler beschäftigt „Der Tote im Schnitzelparadies" und Heinrich Steinfest schickt seinen Wiener Chinesen Cheng in „Der schlaflose Cheng" bis nach Grönland.

Krimi-Preis: Zum Abschluss des Krimifests wird am 25. Oktober in den Kristallwelten Wattens der dritte Österreichische Krimipreis vergeben. Eine Jury aus 100 Buchhändlern, Bloggern und Journalisten wählte den oder die Sieger/in. Vorjahresgewinnerin Ursula Poznanski wird die Laudatio halten.




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