Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 21.09.2019


Bilderbuch

„Fatimas fantastische Reise“: Eine Wimmelwelt im Wandel

Zehn Jahre lang hat der Innsbrucker Illustrator Jakob Winkler an einem Bilderbuch über eine bessere Welt gearbeitet. Jetzt kann „Fatimas fantastische Reise“ online bestellt werden.

Das Bilderbuch „Fatimas fantastische Reise in eine Welt ohne Erdöl“ wird lokal und klimaneutral gedruckt. Die erste Auflage wird noch vor Weihnachten ausgeliefert.

© Jakob WinklerDas Bilderbuch „Fatimas fantastische Reise in eine Welt ohne Erdöl“ wird lokal und klimaneutral gedruckt. Die erste Auflage wird noch vor Weihnachten ausgeliefert.



Innsbruck – Schwarzmaler haben dieser Tage Hochkonjunktur. Der Blick in die Zukunft verheißt nichts Gutes. Ungebremst rast die Welt allen hehren Absichtsbekundungen zum Trotz dem Kollaps entgegen, Ressourcen werden knapper, der Klimakollaps droht. Der Innsbrucker Illustrator Jakob Winkler allerdings ist ein „Buntmaler“ geblieben. Obwohl ihn gerade diese Themen seit Langem beschäftigen. Seit zehn Jahren, um genau zu sein. „Ich sah eine Welt voller Probleme und wollte beides verstehen, die Welt und die Probleme“, sagt der 36-Jährige im TT-Gespräch. Und verstehen heißt für Winkler zeichnen. „Mit dem Stift kann ich den Dingen auf den Grund gehen.“ So ist die Idee zu „Fatimas fantastische Reise in eine Welt ohne Erdöl“ entstanden – und daraus ist inzwischen ein großformatiges Wimmelbuch geworden. Seit einer Woche kann es über die Crowdfunding-Plattform www.startnext.com/fatima vorbestellt werden. Bereits in den ersten 48 Stunden wurde das Ziel von Vorbestellungen in Höhe von 20.000 Euro erreicht. Mittlerweile steht der Zähler bei mehr als 40.000 Euro. Ausgeliefert werden die Bücher voraussichtlich im Dezember. Gedruckt wird lokal in Innsbruck, klimaneutral auf veredeltem Recyclingpapier mit mineralölfreien Farben.

Denn auch herkömmliche Farben enthalten Erdöl. „Und ich kann ja nicht ein Buch über Nachhaltigkeit machen – und dann billig drucken“, sagt Jakob Winkler, der darauf hinweist, dass „beinahe alles, was wir ohne groß nachzudenken verwenden, Erdöl enthält. „Erdöl ist sprichwörtlich der Treibstoff des fossilen Kapitalismus. Überall ist Erdöl drin, in Medikamenten genauso wie im Plastikspielzeug, in Wärmedämmung und Energy­drinkdosen. Diese Abhängigkeit ist das große Problem.“

„Es gibt Alternativen zum Erdöl“: Jakob Winkler.
„Es gibt Alternativen zum Erdöl“: Jakob Winkler.
- Winkler

Im Buch lässt Winkler das, was er bei seiner Recherche gelernt hat, das Mädchen Fatima lernen, das er auf gut 20 A2-Seiten um die Welt und durch die Zeit schickt. „Wie ist der Planet entstanden? Wohin kann er sich entwickeln? Woher kommen Rohstoffe? Gibt es Alternativen? Das waren Fragen, die mich interessierten“, erklärt er. Alternativen hat Winkler tatsächlich gefunden – und in bunten, an Details reichen Panels zu Papier gebracht. Für das Jahr 2080 hat er eine erdölfreie Welt entworfen, die keine bloße Kopfgeburt ist, sondern auf wissenschaftlichen Daten fußt. „Diese Utopie ist möglich, eine gerechtere, nachhaltiger lebende Welt ist möglich. Die Zukunft kommt ja nicht einfach auf uns zu. Die Zukunft wird gemacht.“ Sein Bilderbuch soll also nicht zuletzt Hoffnung machen – ohne Schönfärberei. Und es will informieren. Kinder genauso wie erwachsene Mitleser. Denn „Fatimas fantastische Reise“ ist nicht nur randvoll mit Figuren in bisweilen irrwitzig verwinkelten Welten, sondern auch reich an Informationen. „Ich bin davon überzeugt, dass man die Neugier und den Wissensdurst von Kindern nicht unterschätzen darf. Deshalb wollte ich ein Buch, in dem man immer wieder Neues entdecken kann. Und das man später immer wieder neu lesen kann“, so Winkler. (jole)