Letztes Update am Mo, 14.10.2019 22:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Literatur

Handke-Nobelpreis: Proteste vor Schwedischer Botschaft im Kosovo

In Prishtina gab es am Montag Proteste gegen die Verleihung des Literaturnobelpreises an Peter Handke. Der Autor ist bis heute wegen seiner politischen Ansichten zum Bürgerkrieg in Ex-Jugoslawien umstritten.

Peter Handke.

© AFPPeter Handke.



Stockholm, Prishtina – In der Hauptstadt des Kosovo, Prishtina, hat es am Montag Proteste gegen die Verleihung des Literaturnobelpreises an Peter Handke gegeben. Laut einem Bericht des schwedischen Kultursenders Kulturnytt forderten die Demonstranten vor dem Gebäude der Schwedischen Botschaft die Rücknahme der Entscheidung. Es seien weitere Demonstrationen in Prishtina geplant, hieß es in der Sendung am Montag.

Die Akademie für Wissenschaft und Künste des Kosovo (ASHAK) habe in einem offenen Brief an die Schwedische Akademie ebenfalls verlangt, den Preis zurückzunehmen. Man sei über die Vergabe des Nobelpreises für Literatur 2019 an Handke „enttäuscht“ und „zutiefst entrüstet“, zitierte „Kulturnytt“ aus dem Schreiben.

Wegen Ansichten zum Bürgerkrieg umstritten

Peter Handke ist bis heute wegen seiner politischen Ansichten zum Bürgerkrieg in Ex-Jugoslawien (1991-1999) umstritten. In Serbien wurde er deshalb mit Ehrungen überhäuft. Kritiker werfen ihm dagegen eine Verharmlosung der serbischen Kriegsverbrechen vor, was Handke unter Hinweis auf eine differenzierte literarische Darstellung zurückwies.

1996 kam es nach der Veröffentlichung von Handkes Reisebericht „Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien“ zu heftigen Kontroversen. Wegen der Haltung des Vatikans im Kosovokrieg trat Handke 1999 aus der Römisch-katholischen Kirche aus und zur Serbisch-orthodoxen Kirche über.

Zu den umstrittensten Auftritten des Schriftstellers zählte 2006 seine demonstrative Teilnahme am Begräbnis des serbischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic, dem vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal der Prozess gemacht worden war. In seiner Ansprache gedachte Handke aber keines Politikers, dafür aber zahlreicher serbischer Schriftsteller und Künstler.

2009 wurde Handke bei einem alljährlichen Dichtertreffen in der serbischen Enklave Gracanica im Kosovo mit dem „Goldenen Kreuz des Fürsten Lazar“ ausgezeichnet. Das Dichtertreffen findet anlässlich des Jahrestages der Schlacht von Amselfeld (1389) am 28. Juni statt. Handke ist der erste ausländische Autor, dem diese Auszeichnung verliehen wurde, er war aber bei der feierlichen Zeremonie nicht persönlich anwesend. (APA)