Letztes Update am Fr, 25.10.2019 06:57

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Preisträgerin Alex Beer: „Krimis faszinieren mich seit meiner Kindheit“

Unter dem Pseudonym „Alex Beer“ schreibt die gebürtige Vorarlberger Autorin Daniela Larcher historische Kriminalromane. Heute wird sie mit dem Österreichischen Krimipreis ausgezeichnet.

Krimi-Autorin Alex Beer.

© Krimi-Autorin Alex Beer.



Herzliche Gratulation zum Österreichischen Krimipreis! In Wirklichkeit heißen Sie aber gar nicht Alex Beer, sondern Daniela Larcher. Warum schreiben Sie unter diesem Pseudonym?

Alex Beer: Ich habe längere Zeit Regionalkrimis geschrieben. Da meine neuen Krimis aber sehr viel düsterer sind, und meine Leserschaft mit Daniela Larcher eher „cosy crime“ verbindet, habe ich mir ein Pseudonym zugelegt.

Warum ist Ihre Wahl auf den Namen Alex Beer gefallen?

Beer: Alex Beer ist ein neutraler Name. Man könnte ihn mit einer weißen Leinwand vergleichen, die mir die Möglichkeit gibt, etwas Neues zu erschaffen.

Sie haben Archäologie studiert. Warum sind Sie Krimi­autorin geworden?

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Beer: Krimis faszinieren mich schon seit meiner Kindheit. Ich habe die Jugendbücher „Fünf Freunde“ oder „TKKG“ regelrecht verschlungen. Im konservativen Vorarlberg der 70er-Jahre war jedoch Schriftstellerin kein Berufsbild. Deshalb habe ich Wirtschaft und später Archäologie studiert, ein Fach, das mich bis heute fasziniert. Als Archäologin sind aber die Jobaussichten sehr schlecht. Als ich schließlich in einem New Yorker Verlag gearbeitet habe, wurde mir klar, dass ich Schriftstellerin werden möchte.

Sie wurden für Ihre Krimis schon mehrfach ausgezeichnet. Nun werden Sie mit dem Österreichischen Krimipreis geehrt. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

Beer: Unglaublich viel. Preise erzeugen Aufmerksamkeit und sind Türöffner. Über den Österreichischen Krimipreis freue ich mich aber ganz besonders, weil er nicht nur das Werk, sondern auch den Autor auszeichnet. Ich habe gar nicht mit diesem Preis gerechnet, weil es doch so viele andere großartige Kollegen gibt, die ihn auch verdient hätten.

Derzeit findet das „Krimifest Tirol“ statt, das viele Leserinnen und Leser anzieht. Was fasziniert Sie persönlich an Kriminalliteratur?

Beer: Ich finde, ein guter Krimi ist mehr als nur reine Unterhaltung. Ich glaube, die große Kunst in diesem Genre besteht darin, ein ernstes Thema spannend zu vermitteln.

Wer sind die Hauptfiguren Ihrer Krimis?

Beer: Ich schreibe derzeit an zwei Krimireihen parallel. Eine Reihe ist zeitlich in den 1920er-Jahren angesiedelt und handelt von dem Wiener Kriminalinspektor August Emmerich. Der nächste Band mit dem Titel „Das schwarze Band“ erscheint im Mai 2020. Die Hauptfigur meiner zweiten Reihe ist Isaak Rubinstein, der während des Zweiten Weltkriegs in Nürnberg ermittelt.

Sie schreiben historische Kriminalromane. Warum ist es Ihnen so wichtig, in Ihren Krimis Gegenwart und Vergangenheit miteinander zu verknüpfen?

Beer: Bei meinen Recherchen bin ich auf die Tatsache gestoßen, dass sich zwar die äußeren Umstände verändern, zum Beispiel die technischen Entwicklungen, die Menschen mit ihren Emotionen aber gleich bleiben. Obwohl ich über die 1920er- und 1940er-Jahre schreibe, bleiben die Grundthemen dieselben. Bei August Emmerich etwa erstarkt der Antisemitismus gerade und Rubinstein bekommt ihn voll zu spüren. Ich sehe Parallelen zur heutigen politischen Lage.

Am 4. November wird Ihr neuer Krimi mit dem Titel „Unter Wölfen“ erscheinen. Wovon wird er handeln?

Beer: Es geht um einen mysteriösen Mord, den der Ermittler Adolf Weissmann aufklären muss. Eine beliebte Schauspielerin wird getötet. Der Hauptverdächtige ist kein Geringerer als der stellvertretende Leiter der Gestapo. In einem zweiten Handlungsstrang geht es um eine jüdische Familie, die den Deportationsbescheid bekommt. Isaak Rubinstein bittet eine Widerstandskämpferin darum, dieser Familie zu helfen. Das tut sie, verlangt aber eine Gegenleistung.

Sie schreiben akribisch an historischen Fakten entlang. Wie muss man sich Ihre Recherchearbeit vorstellen?

Beer: Ich bestimme immer zuerst, an welchem Tag der Krimi spielt. Ich besorge mir alte Tageszeitungen und lese mich ein. Da kann ich nachvollziehen, was zu diesem Zeitpunkt gesellschaftlich gerade los war. Ich informiere mich über das Wetter, die Mode, über die politische Lage und über Klatsch und Tratsch. Dann lese ich die Fachliteratur und spreche mit Experten. Beim Schreiben achte ich bewusst auf Details, zum Beispiel, welche Frisuren damals en vogue waren. Ich will auch wissen, wie es an den von mir ausgewählten Schauplätzen damals ausgesehen hat.

Genießen Sie Ihr Schriftstellerinnenleben? Wie erleben Sie das Wechselspiel zwischen der Einsamkeit des Schreibens und dem Rampenlicht?

Beer: Es gibt Tage, da finde ich diese Mischung perfekt, weil ich beides brauche, den Trubel und die Einsamkeit. Als Schriftstellerin ist man natürlich viel unterwegs, das genieße ich derzeit besonders, weil ich mich weder um Haustiere noch um Kinder kümmern muss. Obwohl ich in Vorarlberg aufgewachsen bin, liebe ich das urbane Leben. Je größer eine Stadt ist, desto besser. (lacht)

Das Gespräch führte Gerlinde Tamerl