Letztes Update am Fr, 27.09.2013 16:10

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Literatur

Historisches Material, mahnende Worte



Von Joachim Leitner

Laas – Leicht hat sich Björn Bicker die Entscheidung darüber, ob er der Einladung zum Wettlesen um den 4. Franz-Tumler-Preis in Laas im Vinschgau nachkommen würde, nicht gemacht. Er habe mit sich gerungen, erklärte der in München lebende Autor bereits im Anschluss an seine Lesung am Freitag gegenüber der Tiroler Tageszeitung. Schließlich sei Franz Tumler eine höchst problematische Figur. „Ein Autor, der es vorzog, über seine Rolle in der NS-Zeit zu schweigen. Da fällt es mir schwer, kommentarlos in einer Traditionslinie mit ihm zu stehen.“

Wenige Stunden später wurde Bicker für sein Romandebüt „Was wir erben“ mit dem Tumler-Preis ausgezeichnet. „Was wir erben“, so das Urteil der Jury, der die Autoren Sabine Gruber und Gerhard Ruiss sowie die Kritiker Manfred Papst, Hauke Hückstedt und Daniela Strigl angehörten, sei „ein großer Text über deutsche Figurationen von Schuld und Mitwisserschaft“, ein Buch, „das sein historisches Material nicht aufwendig heranschleppt, sondern in den Sedimenten schürft und bohrt“. In „Was wir erben“ erzählt Bicker in Form eines langen Briefes von der Erinnerungsarbeit und Identitätssuche einer in den 1970er-Jahren geborenen Schauspielerin und verhandelt so das Spannungsfeld von erlebten Geschichten und der großen Geschichte.

Auch in seiner Dankesrede für den mit 8000 Euro dotierten Preis, griff Bicker sein Hadern mit dem Namensgeber der Auszeichnung auf: „Der Tumler-Preis dürfe keine geschichtsvergessene Feierstunde sein, sondern müsse auch ein Ort der Debatte über die Beziehung zwischen Kunst und Politik, Geschichte und Verantwortung sein.“

Neben Bicker konkurrierten Jonas Lüscher („Frühling der Barbaren“), Michael Fehr („Kurz vor der Erlösung“), Isabella Straub („Südbalkon“) und die Tirolerin Barbara Aschenwald mit ihrem Debütroman „Omka“ um den 4. Franz-Tumler-Preis. Aschenwald wurde der Publikumspreis zugesprochen.




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