Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.12.2013


Literatur

Zirkulieren im Zimmerbrunnen

Das Wesen des Ursprungs umkreisend: Roland Maurmairs „roots and sources“ im A4.

© Wally WitschIm Rahmen der Schau „roots and sources“ hat Roland Maurmair im A4 eine Quelle installiert.Foto: Wally Witsch



Von Ivona Jelcic

Innsbruck – „Unser Abfall ist der Humus, auf dem zukünftige Generationen ihre Wirklichkeit erbauen“, heißt es in Roland Maurmairs 2012 bei Schlebrügge erschienenem Künstlerbuch „Nature’s Revenge. insight.concrete.jungle“. Das darf auch als programmatisch für die aktuelle Schau im A4 geltend gemacht werden, wo Maurmair etwa die Logos von Luxusmarken aus Blumenzwiebeln wachsen lässt.

Wenn Maurmair Überlegungen zur menschlichen Natur bzw. zum Verhältnis Mensch, Natur, Technik anstellt – 2012 unter dem Titel „Urban Wilderness“ übrigens auch als Lehrender an der Wiener Angewandten –, tut er das aber glücklicherweise nicht mit erhobenem Zeigefinger. Sondern vielmehr mit hintergründigem Humor und Interesse am Ambivalenten. Das, so Maurmairs These in „roots and sources“, eben auch Quelle und Wurzel innewohnt, die zwar im Allgemeinen als Ursprung betrachtet, aber eigentlich doch „nur“ Teile eines größeren Zirkulationsprozesses sind. Scheinbar aus dem Nichts gespeist wird allerdings Maurmairs im A4 installierte, wie ein überdimensionaler Zimmerbrunnen daherkommende Quelle, die fröhlich aus grobem Geröll sprudelt.

Kleine Sendemasten ragen wiederum aus den Maulwurfshügeln, die sich aus dem Boden der Galerie aufwerfen und eine Verbindung zur unterirdischen Perspektive auf die Welt herstellen. Aber auch zu den feinen Kaltnadelradierungen, Siebdrucken und mit Zeichnungen überarbeiteten Holzschnitten – eine „Oldschooltechnik“, die er zuletzt für sich „entdeckt und liebgewonnen“ habe, so Maurmair.

Auch hier wird eifrig gesendet und empfangen, sich in Kreisläufe eingeklinkt und die Wurzel aus dem Verhältnis zwischen (menschlicher) Natur und Technik gezogen, etwa wenn es zu „erheblichen Wartezeiten an der Linie U1“ kommt, wie eine von Maur­mairs Arbeiten augenzwinkernd beklagt.