Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 18.12.2013


Literatur

Literatur-Duell beim Poetry Slam in Wörgl

Acht Wortgewandte kämpften in der KulturZONE Wörgl mit ihren originellen Beiträgen gegeneinander. Franz Osl aus Angerberg siegte.

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© Spielbichler



Von Veronika Spielbichler

Wörgl – Ein Erfolgsrezept mit fünf einfachen Zutaten sind die Poetry Slams, mit denen vorwiegend junge Leute die Lust an der Literatur und am Schreiben neu entdecken: fünf Minuten Zeit, nur selbst verfasste Texte, keine Requisiten, ein aktives Publikum, das in die Rolle der Jury für den literarischen Wettkampf auf der Bühne schlüpft, und ein Moderator, der als Zeremonienmeister durch den Abend führt.

Der Innsbrucker Stefan Abermann, selbst erfolgreicher Slammer, übernahm in der KulturZONE Wörgl die Rolle des Moderators und gab mit seinem Eröffnungstext außer Konkurrenz einen – ob des Themas „Graukas“ anrüchigen – Vorgeschmack auf das literarische Genre.

Nach Auslosung der Reihenfolge der Slammer knüpfte Michaela Schwarzenauer mit einem anderweitig anrüchigen Thema an und philosophierte über eindeutig Zweideutiges. Unter dem Motto „Sex sells“ stieg auch Daniel Kapfinger in den literarischen Ring, während Franz Osl mit seinem „Griass-di-Rap“ schon in der ersten Runde eine hohe Publikumswertung einfuhr. Silke Gruber stellte sich vor, eine Deutsche zu sein, und Irene beschäftigte sich eingehend mit dem Apfel und dessen Daseinsbestimmung.

Zwei erfahrene Slammer traten mit Klaus Reitberger – er holte mit seiner gruseligen Wanderer-Geschichte die Höchstwertung in der Vorrunde – und Martin Fritz aus Innsbruck an, dessen Text über exzessiven Schneefräseneinsatz begeisterte.

Mit einer „Rede zum rotschwarzen Regierungsprogramm“ formulierte Tobias Muster seine „bedingungslose Kampfansage an den Schaumwein“ und schaffte damit auch den Einzug ins Finale der besten sechs Slammer.

Das entschied dann schließlich Franz Osl unter Verwendung von Tiroler Ortsnamen als Textbausteine für sich und gewann damit den Inhalt des Slam-Sackerls, das zuvor vom Publikum mit Geld- und Sachspenden gefüllt wurde.

Zur Begeisterung für das junge Literatur-Genre – die KulturZONE platzte buchstäblich aus allen Nähten, der Slam wurde auf Bildschirmen ins Nebenzimmer und ins Chill & Glüh-Freigelände übertragen – trug ein Workshop am Bundesrealgymnasium Wörgl bei, den Verena Rossmann initiiert hatte.




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