Letztes Update am Fr, 22.08.2014 07:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Literaturtage

Kunstvolle Konventionsbrüche bei Sprachsalz

Zum 12. Sprachsalz-Festival (12. bis 14. September) kommen US-Künstler Clayton Patterson und Schauspiellegende Josef Bierbichler nach Hall.

Im Bild: (hinten von links): Valerie Besl, Magdalena Kauz und Ulrike Wörner; (vorne v.l.): Christian Yeti Beirer, Heinz D. Heisl, Urs Heinz Aerni und Elias Schneitter.

© Andreas Rottensteiner / TTIm Bild: (hinten von links): Valerie Besl, Magdalena Kauz und Ulrike Wörner; (vorne v.l.): Christian Yeti Beirer, Heinz D. Heisl, Urs Heinz Aerni und Elias Schneitter.



Hall – Der „Kunst des Konventionsbruchs“ hat sich Elias Schneitter, der zusammen mit Heinz D. Heisl, Magdalena Kauz, Ulrike Wörner und Urs Heinz Aerni das Programm der 12. Internationalen Tiroler Literaturtage Sprachsalz (12. bis 14. September in Hall) verantwortet, heuer verschrieben. Und Konventionsbruch beginnt in diesem Fall mit dem ganz bewussten Überschreiten von etablierten Gattungsgrenzen: Mit „Captured“ steht erstmals ein Dokumentarfilm auf dem Sprachsalz-Programm. Darin porträtieren die Filmemacher Ben Solomon und Daniel Levin den amerikanischen Künstler Clayton Patterson, ein Monument der New Yorker Undergroundszene. Auch Patterson persönlich hat sich zum Haller Literatentreff angekündigt. Vor der Aufführung des Films, der sein Schaffen als Fotograf, Galerist und Kopf der „No!art“-Bewegung nachvollzieht, wird der 65-Jährige am Freitag, 12. September (ab 21 Uhr im Parkhotel Hall), mit ORF-Journalist Roland Adrowitzer diskutieren. Und Gesprächsbedarf gibt es fraglos, denn erst kürzlich gestand Patterson der New York Times, dass er die Lower East Side, deren Entwicklung er seit über 30 Jahren fotografisch dokumentiert, endgültig verlassen will. Ganz Amerika will er den Rücken kehren und seine Zelte künftig – Achtung – in Bad Ischl im Salzkammergut aufschlagen. Dort kann man bekanntlich gut lustig sein – und etwas Aufforderung zum zivilen Widerstand dürfte dem beschaulichen Kurort auch nicht schaden.

Auch einer erneuten Einladung nach Hall käme Pattersons Umzug entgegen, denn letztlich sind es vor allem die Reisekosten der internationalen Gäste, die einen Großteil des Festival-Budgets verschlingen. „Das und unser Anspruch, allen Autorinnen und Autoren die höchstmöglichen Honorare zu zahlen“, präzisiert Heinz D. Heisl bei der Präsentation des diesjährigen Sprachsalz-Programms. Insgesamt verfügt das Festival über einen Etat von 77.000 Euro. Große Sprünge könne man damit kaum machen, sagt Heisl. Dass trotzdem regelmäßig große Namen in Hall begrüßt werden können, liege vor allem am guten Ruf, den sich das Festival mit den Jahren erarbeitet habe – und am Gespür der Kuratoren.

So wurde der deutsche Autor Markus Orth, der auf Einladung von Ulrike Wörner zu Sprachsalz kommen wird, bereits engagiert, bevor sein Buch „Alpha & Omega“ von der Kritik bejubelt wurde. Ähnliches gilt auch für den Schotten John Burnside, einen der maßgebenden Autoren der europäischen Gegenwartsliteratur, der u. a. als Abschluss der 12. Literaturtage am Sonntag, 14. September, um 18 Uhr seinen neuen Roman „Haus der Stummen“ präsentieren wird.

Zugkräftigster Name des bunten Lesereigens dürfte aber der vielfach ausgezeichnete bayrische Schauspieler Josef Bierbichler sein, der im Rahmen des traditionellen Sprachsalz-Dinners am Samstag, 13. September (ab 18.30 Uhr), aus seinem 2011 erschienenen Debütroman „Mittelreich“ lesen wird. (jole)

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Sprachsalz 2014 – Programm-Highlights

Erstmals bieten die Tiroler Literaturtage Hall eine Bastelwerkstatt für Kinder an. Im Jugendzentrum Park In zeigt Christian „Yeti“ Beirer im Rahmen von Sprachsalz-Mini am Samstag, 13., und Sonntag, 14. September (jeweils ab 12 Uhr), Interessierten ab sieben Jahren, wie ein Buch gemacht wird.

Im Rahmen der Kooperation mit den Klangspuren erinnert Sprachsalz an den 2006 verstorbenen Komponisten Otto M. Zykan. Es spielt das Hugo Wolff Quartett. Moderation: Irene Suchy (Freitag, 12. August, ab 19 Uhr im Großen Kurhaussaal).

Die durch Alois Schöpfs Streitschrift „Wenn Dichter nehmen“ losgetretene Debatte um die Vorlässe von Autoren wird auch bei Sprachsalz geführt. Am Sonntag, 14. September, 10.30 Uhr, diskutieren Schöpf und die Dichter Markus Bundi und Peter Giacomuzzi im Medienturm Ablinger.Graber über das Thema. Weitere Details zum Programm: www.sprachsalz.com


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