Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 07.03.2015


Literatur

Luxusweib fährt gegen die Wand

In ihrem Roman „Wald“ zeichnet Doris Knecht das Bild einer Frau in der doppelten Krise – persönlich wie wirtschaftlich. Er nimmt spät Fahrt auf.

Die Kolumnistin und Autorin Doris Knecht legt ihren dritten Roman vor und gibt darin einem Opfer der Wirtschaftskrise Raum. <span class="TT11_Fotohinweis">Foto: Pamela Rußmann</span>

© RowohltDie Kolumnistin und Autorin Doris Knecht legt ihren dritten Roman vor und gibt darin einem Opfer der Wirtschaftskrise Raum. Foto: Pamela Rußmann



Von Alexandra Plank

Innsbruck – Marian haust primitiv in einem abgelegenen Haus in den Voralpen. Doch sie ist keine freiwillige Aussteigerin. Sie, die einst Mode­schöpferin war und in der hippen Loos-Bar verkehrte, hat die Wirtschaftskrise voll erfasst. Dazu kam eine unglückliche Liebesgeschichte, die ihr endgültig den Boden unter den Füßen wegzog. Sie bezieht ein geerbtes Haus und stellt sich dem Überlebenskampf. Sie fischt, wildert, stiehlt Gemüse und Hühner.

Ein Szenario, das bereits auf den ersten Seiten an den erfolgreichsten Roman von Marlen Haushofer, „Die Wand“, erinnert. Das Buch stammt aus dem Jahr 1963 und hat Kultstatus. Die Tirole­r Autorin Barbara Hundegger bezeichnete es einst als das Buch, das sie lesen würde, wenn sie nur ein einziges Buch im Leben zur Verfügung hätte. Kein Wunder, dass Knecht scheitern muss. Die ersten Seiten sind lähmend, der Text entwickelt keinerlei Sogwirkung. Die Autorin und Zeitungskolumnistin, die mit ihrem Roman „Gruber geht“ für den Deutschen Buchpreis nominiert war und dessen Verfilmung erfolgreich in den Kinos läuft, lässt das vermissen, was eigentlich ihr großer Trumpf ist: mit einer gewissen Nonchalance über wesentliche Dinge des Lebens zu berichten. Obwohl vorwiegend die Innensicht von Marian, die von ihrem Geliebten auf dem Land als Marianne bezeichnet wird, gezeigt wird, stellt sich beim Lesen keine Befindlichkeit zur Protagonistin ein.

Jene Passagen, in denen Knecht das ehemalige Leben des Luxusweibchens in der Art der Vorstadtweiber aufrollt, sind klischeehaft, aber witzig. Den Bobos, die Geld haben, das auch zeigen, aber dennoch für sich in Anspruch nehmen, stets sozial und politisch korrekt zu handeln, wird ein Spiegel vorgehalten.

Marian steckt der Putzfrau Geld für ein Kleid zu, dies­e tritt dann bei der Abendeinladung extra abgerissen auf. Eine gewisse Häme ist garantiert. Erst ab der Mitte nimmt der Roman Fahrt auf. Die Beziehung von Franz und Marian wird seziert. Wobei Marian die Frage aufwirft, ob sich nicht alle Frauen in der Ehe prostituieren. So wie sie es für Franz tut, der ihr dafür Lebensmittel bringt. Letztlich erfahren die Beziehung und Marians Leben eine Wende. Wer durchhält, wird belohnt.

Roman Doris Knecht: Wald. Rowohlt, 271 Seiten, 19,95 Euro.




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