Letztes Update am Di, 25.04.2017 17:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Medien

Zu harte Interviews? Erneut Diskussion um Armin Wolf

Thomas Prantner, stellvertretender ORF-Direktor für Technik, kritisiert Armin Wolfs Interviewstil heftig. Der ORF-Redakteursrat ist empört. Nun meldete sich auch Generaldirektor Alexander Wrabetz zu Wort.

© APA/ORF/THOMAS RAMSTORFERORF-Anchor Armin Wolf ist bekannt für seine hartnäckigen Interviews. Zuletzt stand er dafür vermehrt in der Kritik.



Innsbruck - Einmal mehr ist ORF-Starmoderator Armin Wolf wegen seines Interviewstils dieser Tage in die Schlagzeilen und zwischen die Fronten geraten. Der aktuelle Auslöser: Ein Interview mit Thomas Prantner in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins profil. Prantner ist stellvertretender ORF-Direktor für Technik, Online und neue Medien und kritisiert das „Zeit im Bild"-Aushängeschild Wolf offen wegen dessen angeblicher „Verhörmethoden".

„Es ist unzumutbar für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, wenn das TV-Studio wie ein Verhörraum oder eine Anklagebank wirkt", sagte der als FPÖ-nah geltende Vizedirektor zum profil. „Politiker müssen sich kritische Fragen gefallen lassen, es kommt aber immer auf Ton und Stil der Fragestellung an", meinte er. Prantner bezog sich auf das Abschiedsinterview von Wolf mit dem ehemaligen niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll Ende März.

Der Journalist hatte sich mit dem scheidenenden Politiker einen heftigen Schlagabtausch geliefert. Ein Video davon sorgte anschließend für einen Klickhit im Internet (TT Online berichtete) — inklusive einer intensiven Diskussion darüber, was ein Moderator darf und was nicht. Abgeebbt ist diese Diskussion freilich nicht. Nach wie vor tobt in sozialen Medien ein regelrechter Krieg zwischen Wolf-Gegnern und -Befürwortern. Neu ist, dass sich Prantner in seiner offiziellen Funktion als ORF-Technikvize gegen den Moderator stellt.

Redakteursrat stellt sich hinter Wolf

Der Redakteursrat reagierte laut Presse umgehend - und zwar mit Empörung und Verwunderung. In einer E-Mail an alle Direktoren und die Mitarbeiter der TV-Information war laut Presse von „einer schweren Anschuldigung" Prantners die Rede, kritisches Nachfragen in Interviews mit „Anklagebank" und „Verhören" zu vergleichen.

„Aus journalistischer Sicht ist der Vorwurf, Interviews seien Verhöre, völlig unangebracht. Wenn verantwortliche Politiker auf einfache Fragen keine Antworten geben, ist Nachfragen professionelle Pflicht. Zumindest in westlichen Demokratien. Und wenn jemand seinen Live-Auftritt im ZiB-Studio nur dazu benutzen will, immer und immer wieder dieselben Parteiparolen ans Publikum zu richten, ist ein Unterbrechen durch den/die ModeratorInnen einfach notwendiges Service für die SeherInnen. Oder wollen Sie ernsthaft einen Rückfall in Zeiten, als Rundfunk-JournalistInnen ihre Fragen erst bei Politikern einreichen mussten, oder ihnen gar vorgeschrieben wurde, was gefragt werden musste?", zitiert die Presse aus dem E-Mail.

Man sei ebenso überrascht, „dass sich die Technische Direktion jetzt für die Beurteilung von journalistischen Inhalten im ORF-Fernsehen zuständig fühlt und öffentlich Zensuren für redaktionelle Inhalte erteilt.

Am Dienstagnachmittag meldete sich schließlich auch ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz zu Wort. "Armin Wolf wird in seiner Funktion nicht infrage gestellt", sagte Wrabetz dem Standard am Dienstag (Online-Ausgabe). Wrabetz erinnerte daran, dass er Wolf 2007 zum Hauptmoderator der ZiB2 gemacht hat. Dem Druck nun nachzugeben, wäre deshalb "absurd". "Die Sendung ist erfolgreich, daher wäre es widersinnig, würde ich daran etwas ändern. Armin Wolf ist einer der besten Interviewer zugleich aber auch sein eigener größter Kritiker, dem auch Interviews, wie er selbst sagt, manchmal nicht so gelingen", wird Wrabetz weiters zitiert.

Solidarität mit Armin Wolf von Kollegen

Mittlerweile haben sich auch mehrere österreichische Journalisten anderer Medien (in diesem Fall Kurier und Falter) klar hinter Armin Wolf gestellt und ihre Solidarität bekundet:


Comedyfigur „Armin Lammfromm"

Mit Humor reagierte der ORF-eigene Radiosender FM4 in seiner „Morning Show". Der fiktive Moderator „Armin Lammfromm" stellt Politikern nur noch angenehme Fragen wie „Sie gelten als größtes politisches Talent seit Bruno Kreisky. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?" und „Warum glauben Sie, sind Sie so beliebt?". Die Sendung zum Nachhören gibt es hier.

Und wie reagiert Armin Wolf selbst auf die Vorwürfe? Er teilt via Facebook und Twitter auch kritische Artikel über ihn und seinen Interviewstil - Augenzwinkern inklusive. (reh)