Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 02.05.2017


Medien

Millionen für eine neue „Republik“

Wie ein Schweizer Online-Medienprojekt mit der Versprechung von unabhängigem Journalismus innert weniger Tage Millionen gesammelt hat.

© Screenshot YouTube/Republik



Innsbruck – Das Werbevideo spart nicht an Pathos, zeigt Trump, Erdogan und andere Antipoden der Medienfreiheit, schreibt „Ohne Journalismus stirbt die offene Gesellschaft“ oder „Das freie Wort gegen die Diktatur der Macht“ in weißer Schrift auf schwarzem Grund. Schwere Geschütze, die da aufgefahren werden, um zu unterstreichen, dass es Zeit sei. Zeit für die „Republik“ – ein Schweizer Online-Magazin, das es noch nicht gibt, das aber bereits an die 10.000 Unterstützer und Abonnenten gewonnen hat. Mit der Versprechung, seriösen, fundiert recherchierten und unabhängigen Journalismus zu bieten.

Damit unterscheidet sich die Republik kaum von anderen, in den letzten Jahren gestarteten Journalismus-Vorhaben, etwa dem niederländischen De Correspondent oder dem deutschen Krautreporter. Der Unterschied aber ist, dass das Schweizer Projekt alle bisherigen Crowdfunding-Aktionen im Medienbereich innerhalb kürzester Zeit um Längen geschlagen hat. Vergangene Woche, am 26. April, startete die auf fünf Wochen angelegte Geldsammelaktion, 3000 Unterstützer wollte man gewinnen – und hatte bereits einen Tag später deutlich mehr. Bis gestern Montag stand das Republik-Crowdfunding bei knapp 10.000 Unterstützern und umgerechnet rund 2,3 Millionen eingenommenen Euro. Eine „Rebellion“ jubeln die Macher – konkret sind das der renommierte Schweizer Journalist und Autor Constantin Seibt, einst beim Züricher Tages-Anzeiger, und sein Mitinitiator Christof Moser. Sie hatten bereits vor dem Crowdfunding-Start verlautbart, dass für das Projekt auch Großinvestoren gewonnen hätten werden können, die insgesamt mehr als drei Millionen Euro beigesteuert haben.

Starten soll das Online-Magazin 2018, ein Jahres-Abo soll 240 Franken (rund 221 Euro) kosten, bieten will es gründliche Recherche. „Wir versuchen ein neues Modell: kompromisslos in der Qualität, leserfinanziert, ohne Werbung“, sagt Seibt zuletzt dem Schweizer Fernsehen.

Dass die langfristige Finanzierung eines digitalen Magazins selbst mit einem Verlagshaus im Rücken nicht einfach zu sein scheint, hat sich in Österreich gezeigt: Mit Ende April sperrte der erst 2015 gestartete Online-Ableger der Neuen Zürcher Zeitung, nzz.at, zu. (jel)